Mit dem Lada Niva über die Canning Stock Route von Frank Langohr

Nach fast einem Jahr Planung landete ich am 19.07.05 in Perth West Australien. Ein lang gehegter Traum sollte hier beginnen. Mit dem Lada Niva über die Canning Stock Route, fast 2000km durch 4 Wüsten und Buschland.

 

Der Rest der Reisegruppe sollte ein paar Tage später folgen. Nach einem kurzen "Hello" und dem üblichen "small talk" mit meinen Freunden vor Ort, besichtigte ich am späten Nachmittag die Fahrzeuge beim Hauptorganisator Eric. Der erste Schock stellte sich ein, die Fahrzeuge waren nicht in dem Stadium wie es wünschenswert und angebracht gewesen wäre. Aus organisatorischen Gründen wurde der Iveco Bus von Eric für die nächsten Wochen mein Zuhause. Sandra und Jens trafen nach ein paar Tagen ein und waren gleich in die Vorbereitungen integriert. Marian traf als letzter ein und hatte noch alle Hände voll an den Nivas zu tun. Die Stimmung der nächsten drei Wochen war zwischen "kurz vorm Wahnsinn den Tränen nahe" und ausgelassener "Partylaune". Die Arbeitszeiten waren nicht selten von 8:00 morgens bis 1:00 Uhr nachts. Nachdem die Fahrzeuge fertig waren konnten wir mit 4 Tagen Verspätung am 03.08.05 endlich losfahren. Ich hatte entgegen der Planung ein anders Fahrzeug von einem Freund gekauft, ein Niva Pick Up, diese wurden in Australien offiziell und in Kleinserie hergestellt bzw. umgebaut. Unseren Niva haben wir mit einem 235l LR Toyotatank ausgerüstet, mit einem Gesamtvolumen von ca. 275l Benzinvorrat waren wir somit gut gerüstet. Auch Jens hat sich zusätzlich zu den 60l Benzinfässern im Kofferraum noch einen 55l Zusatztank unter das Heckblech gebaut. Jedes Fahrzeug hatte noch ein 60l Fass mit Trinkwasser an Bord. Bis nach Wiluna dem eigentlichen Beginn der CSR waren es von Perth aus ca. 900km. Dort meldeten wir uns 2 Tage nach unserem Aufbruch in Perth bei der Polizeistation ab. Nicht ganz ohne Aufsehen zu erregen. Denn Nivas sind in Australien etwas seltener geworden und erst recht auf der CSR. Gleich hinter Wiluna (Well No.1) begann eine üble Wellblechpiste, damit die Autos fahrbar blieben mussten wir den Luftdruck der Reifen auf ca. 0,8 bar (15 PSI) ablassen. Da die nächsten 2000km eh nur aus Piste bzw. Dirttrack bestanden blieb der Luftdruck bis Halls Creek fast unverändert. Wir verbrachten die erste Nacht abseits der Piste irgendwo im Busch denn im dunkeln wollten wir auf keinen Fall den Abzweig zum eigentlichen Beginn der CSR Piste verpassen. Um 6:00 h schmiss Ms B alle mit einem lauten "Wackie-Wackie" aus den Schlafsäcken, Ms B ist immerhin 76 Jahre "jung" und noch verdammt rüstig.

Noch am Vormittag machten wir die üblichen Gruppenfotos am Abzweig zur CSR, mit den Warnschildern im Hintergrund. Ab jetzt begann das eigentliche Abenteuer, für die nächsten ca. 2000km sind wir auf uns allein angewiesen Essen und Trinken und Sprit müssen ausreichend an Bord sein. Außer dem Benzindepot und einer Aboriginie Community gibt es zwischen hier und Halls Creek, NIX.! Die Piste der CSR muss man sich als besseren oder meist schlechteren Feldweg vorstellen, außer zwei Spuren die durch 4 Wüsten und Buschland führen gibt es hier keine Strassen wie wir sie kennen. Auf ein paar Wellblechabschnitten kratzt meist noch das Spinifexgras am Unterboden in der Wagenmitte. Die Strecke windet sich entlang der alten Viehtriebroute von Well zu Well* (*Brunnen). Einige dieser Well's sind restauriert worden und können heute von Reisenden wieder benutzt werden. Die Qualität des Wassers sollte man aber vorm benutzen genau prüfen. An einigen Stellen könnte man davon trinken an den anderen sollte man es im Notfall vorher Abkochen bzw. Micropur benutzen. Mal fuhren wir durch dichten Baumbestand dann wieder über ein Felsplateau oder einen sandigen Streckenabschnitt.

Bei Dupra Springs bewunderten wir Felsmalereien und ich nahm ein Bad in einem der natürlichen Felsenpools. Auf den Wellblechstrecken wurden wir und die Nivas richtig durchgerüttelt. Ein paar defekte Teile an den Nivas blieben daraufhin natürlich nicht aus, gebrochene Längslenkerhalterung oder Bolzen, defektes Getriebelager und Vergaserprobleme an unserem gelben UTE (australisch für Pick UP). Gebrochene Getriebe-, oder Auspuffhalterungen, Elektrik oder Vergaserprobleme bei den anderen. Die täglichen Arbeiten wie Camp Auf- und Abbau gingen nach ein paar Tagen auch schneller, die Arbeitsaufgaben hatten sich auf die einzelnen Personen verteilt und wo Hilfe nötig war hat jeder mitgeholfen. Wir genossen tagsüber die Landschaft und die Strecke, außer die Wellblechpisten natürlich, und der ein oder andere von uns genoss am Abend sein wohlverdientes Bierchen oder mal auch einen Bundaberg Rum mit Coke. Gekühlt wurde das Essen und Trinken in zwei großen Kühl- bzw. Gebfrierboxen die in Mrs. B und Erics Niva untergebracht waren. Wo es schön war und es Sehenswürdigkeiten zu besichtigen gab haben wir Halt gemacht, ob Felsmalereinen der Ureinwohner, alte Gravuren von frühen Pionieren oder auch natürliche Quellen wie bei Dupra Springs haben unvergessliche Eindrücke hinterlassen.

Je weiter wir nach Norden kamen desto sandiger wurde es und die Sandünen bzw. - Hügel kamen in immer kürzeren Abständen. Marian war voll in seinem Element, auf ein paar Abschnitten haben wir mal richtig Gas gegeben, man fühlte sich dann etwas wie auf der "East African Safari Rallye" und war nur noch damit beschäftigt sich irgendwo fest zuhalten.

Mit Marians Rennerfahrung konnte ich natürlich nicht mithalten und habe bei einer dieser "Just for Fun Races" über die Canning ein paar Büsche und Sandhaufen Gartenbautechnisch umgestaltet. Der Niva und Marian nahmen es gelassen. O Ton Marian : "Du bist gerade in die Rabatte gesemmelt". Einer der wohl schönsten Orte entlang der Strecke ist der Thring Rock bei Sonnenaufgang, mit Worten kaum zu beschreiben, man wartet auf der Spitze der Felsformation bis die Sonne über den Horizont spitzelt und die Landschaft und den Fels in seiner Farbenpracht erstrahlen lässt. Nach einer kurzen Reparaturpause in der Kunawarritji Aboriginie Community bei Well33, fuhren alle Nivas ohne größere Mängel weiter. Gegen Ende der CSR wurde die Landschaft etwas grüner und Farmland mit Viehbestand häufte sich, dazu sollte man wissen dass hier die Farmen, Stations genannt, etwas größer sind als in Europa, eine der größten hat die Grundfläche von Belgien. Am Ende der Strecke trifft die CSR auf den Tanami Track der von Alice Springs nach Halls Creek führt. Das letze Well No. 51 hatten wir schon seit ein paar km hinter uns. Am Straßenhinweisschild wurde das obligatorische Foto gemacht und die letzten km auf einer gut zu befahrenden Dirtroad wurden unter die Räder genommen. Wir machten noch einen Abstecher zum Wulf Creek Grater, dem größten Meteoritenkrater der Welt, unterwegs schlachteten wir noch einen ausgebrannten Niva entlang der Strecke, ...Kein Witz, ihr könnt Marian fragen.! Nach 1843 km erreichten wir zum ersten mal nach ca. 3 Wochen wieder asphaltierte Strasse an der T-Kreuzung bogen wir ab in Richtung Halls Creek, Das Abenteuer "Mit dem Niva über die Canning Stock Route war zu Ende".

Auf den Campground angekommen zollte ich unserem Niva Respekt und verbeugte mich. Nach der ersehnten Dusche nahmen wir Platz im Pup gegenüber, glücklicherweise hatte mein Freund bei der übergabe des Nivas in Perth sein Münzgeld im Aschenbecher des Nivas vergessen, ich kippte alles auf den Tresen und dann gab es kaltes Bier bis es alle war. Einer der Gäste Trucker Bill" gab seine Outback Storys zu Besten "Bloody Canning in a bloody Niva with bloody not enough Beer" waren einen seiner Aussagen. Marian wäre am liebsten mit dem nächsten Roadtrain in die Weiten Australiens verschwunden. Alle Nivas haben die CSR auf ihren eigenen Rädern und aus eigener Kraft beendet, wir mussten nie den Bergegurt oder gar die Schaufel zu Hilfe nehmen. In Halls Creek trennten sich kurz unsere Wege, Broome ca. 700km von Halls Creek, mit Sonne Strand und Meer rief. Hier trafen wir zwei Tage später zum Abschluss BBQ alle wieder. Nach dem Sonnenuntergang am Strand trafen wir uns im Haus von Erics Schwester zum Krokodilwürstchen Grillen. Der "Spinifex and Dust Desert Trek 2005" war offiziell zu Ende. Eric und Terri hatten für jeden eine überraschung, es gab für jeden einen Pokal in Form von einem Stück Wellblech mit dem Aufkleber der Tour und Namenschild im Sockel. Marian und ich verließen am nächsten Tag Broome, wir wollten noch einen Abstecher nach "Steep Point" machen, dem westlichsten Punkt Australiens, und bis Perth sind es auch noch ca. 2200 km. Steep Point war auf jeden Fall den Abstecher wert. Eine Traumhafte Strecke entlang einer Halbinsel, mal am Meer entlang dann wieder über richtige Sanddünen. Auf den Felsen der Steilküste am westlichsten Punkt Australiens genossen wir die Abendsonne und vor uns die Weiten des Indischen Ozean. Ein besondern Punkt erreichte ich am Billabong Roadhouse ca 700km vor Perth, an diesem Punkt hatte ich Australien einmal umrundet von Nord nach Süd durchquert und fast von West nach Ost, der Rest ist Stoff für neue Abenteuer "Down Under".

Auf jeder großen Reise kann es mal dunkle Momente in der persönlichen Gelassenheit geben, bei mir war es der Tag als der Weber-Rennvergaser nicht mehr so wollte, bei Marian der Moment als die Längslenkeraufnahme brach, er wollte dem nächsten Toyotafahrer der "vorbei kommt" seine Visakarte hinhalten damit er ihn mitnimmt. Aber irgendwann hat jeden wieder der "Australien Way of life" eingeholt, getreu dem Motto "no Worries mate" und "Weiterfahren, Problem beobachten". In Australien trinkt man bei solchen Gelegenheiten erst mal ein Bier und denkt über die Situation nach um dann gelassen dem Ganzen entgegen zu treten. Da wurde der Rammbügel zum Schraubstock und der Akkuschrauber mit der Autobatterie betrieben und schon fuhren die Kisten wieder. Leider gab es noch einen tragischen Zwischenfall, der Niva von Ms.B und Sue hatte sich kurz vor Port Headland drei mal überschlagen, sehr zum Leidwesen seiner Insassen. Ms.B trug schwere Prellungen davon bei Sue war es noch schlimmer sie musste mit Schnittverletzungen und einem angebrochenen Brustwirbel von den 'Royal Flying Doctors' nach Perth ins Krankenhaus geflogen werden. Den Niva hat es das Leben gekostet, sieht man die Bilder ist es ein Wunder dass beide Insassen noch relativ glimpflich davon kamen.

Das Ende unserer Reise nährte sich, nach 6431 km kamen wir wieder in Perth an und stoppten vor dem Haus von Eric, wo vor ein paar Wochen alles begann. Nach ein paar Tagen mit Ausflügen und Schopping, speziell Offroad Zubehör, kam für Marian und mich am 01.09.05 der Rückflug näher. Einen Tag später konnten wir unsere Familien am Flughafen wieder in die Arme nehmen.

Unser Dank gilt: vor allem Ms.B , Terri & Eric Brandstater für die Organisation, die Gastfreundschaft und die Bewirtung vor und während der Tour, sowie unseren anderen Freunden vor Ort, für deren Gastfreundschaft und auch für die restlichen kleinen und großen Dinge die nötig waren um uns einen unvergesslichen Urlaub zu ermöglichen.

Natürlich meiner Familie die es möglich gemacht hat mein Abenteuer durch zu führen.

Und "Last but not Least", unserer "yellow Rocket", für ihre Dienste. Sie hat ab und zu mal gezickt, aber sie hat uns nie im Stich gelassen und uns treu und tapfer wieder nach Hause gebracht.

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