Die Planung für die Australienreise begann schon 2000 und sollte eigentlich 2002 durchgeführt werden. Ich hatte inzwischen geheiratet und meine Frau Petra mit dem "Australien-Virus angesteckt".

Vom Job und dem lieben Geld abhängig, war alles für 2002 geplant. Wir hatten uns 2001 für den Hausgebrauch sowie "Hund, Katz und Pferd" einen kleinen Allrad zugelegt - Lada Niva. Selbst unser Hund Dingo wurde Allrad-Fan.

Nach ein paar Tagen im Besitz eines Niva, war ich auch schnell Mitglied der Lada Niva IG. Beim Durchstöbern des Internets stellten wir fest, dass der Niva weltweit verbreitet ist und es Niva Clubs rund um den Globus gibt, auch in Australien.

 

Also, was kostet ein Niva in Australien?

Wir nahmen Kontakt zu dort ansässigen Niva Clubs auf, um unser Vorhaben darzustellen.

D.h.: Drei Monate speziell 4WD durch Australien, besonders die Staaten WA (Western Australia), NT (Northern Territory) und SA (South Australia).

Drei freundliche Mitglieder von Australischen Clubs versorgten uns mit Informationen und boten uns ihre Hilfe an.

Glückliche Umstände sorgten dafür, dass wir schon 2001 im Oktober fliegen konnten.

Das Abenteuer Australien konnte beginnen! - Und es begann schon in Deutschland. Das Reisebüro (namentlich nicht genannt) in Ludwigshafen war unfähig den gebuchten Flug nach Sydney umzubuchen nach Melbourne, was kein Problem gewesen wäre, wie sich später herausstellte.

Doch der Reihe nach: Das 3. Internationale Lada Niva Treffen in Bedheim (Thüringen) sollte auch noch besucht werden, denn das Treffen war vom 28.09. - 31.09.2001 und unser Flug ging am 01.10.2001 um 11 Uhr morgens. Das hieß: Alles richten, packen, vorbereiten und griffbereit halten.

So sind wir Sonntag vom gelungenen Niva Treffen nach Hause "gedüst" um uns vom Rest der Welt zu verabschieden. Wir haben uns rechtzeitig am Frankfurter Flughafen eingefunden. Das Abenteuer ging weiter; auf dem Flug nach Sydney "Schlägerei im Flugzeug auf 10000 m Höhe". In Sydney angekommen hat es dann "geschüttet wie aus Eimern" - Sommer? Nach zwei Tagen Sydney wollten wir dann mit dem Zug nach Melbourne. Fehlanzeige! - denn der Zug war ausgebucht und die nächste Buchung erst zwei Tage später möglich, hier ist halt alles etwas anders. Also, schnell zum Busbahnhof und fragen ob es noch freie Plätze gibt. Wir hatten Glück, so fuhren wir um kurz nach 20 Uhr endlich los. Unserem Abholer in Melbourne (den wir bisher nur vom Internet kannten) teilten wir mit, dass wir so gegen 8 Uhr morgens da wären. Fehlanzeige, der Bus hatte eine Panne, Kühlwasserschlauch defekt. So wurde es dann 11 Uhr und Deklan vom Niva Club Victoria musste von 7:30 Uhr bis 11 Uhr an der Busstation auf uns warten.

DER NIVA KAUF & "ABENTEUER WIR SIND DA!"

Das nächste Abenteuer war der Kauf eines Niva, denn was ich nicht wusste ist, dass es in NSW und Vic. so etwas wie einen TÜV gibt und ohne das RWC (TÜV Bericht) kann man nicht einfach so losfahren, wir verloren dann eine Woche für den Autokauf und das Aufrüsten des Nivas für den Trip. Die Stimmung war manchmal etwas angespannt. Auch das veranschlagte Budget war überschritten. Es gab zwar viele Nivas, von 800,-A$ bis 2000,-A$, aber alle ohne TÜV (RWC). Also mussten wir teuer ein Fahrzeug mit RWC kaufen. Mit freundlicher Unterstützung der Firma Fairway Lada (wir haben dort einen Niva für 3600,-A$ gekauft) und unserem Freund Deklan ging es endlich los in Richtung Adelaide und Port Augusta.

Zunächst auf Teerstrasse, der erste Abzweig bei Yunta, ein Tourist-Drive nach Akaroola sah vielversprechend aus. Der erste Dirt-Track nach über drei Jahren Pause. "Let's go", und es hat mal wieder geregnet. Etwa auf der Hälfte der Strecke zog ein Unwetter auf das nichts Gutes erwarten ließ.

Dazu muss man wissen dass sich solche Dirt-Tracks dann innerhalb von Minuten in unpassierbare Schlammpistenverwandeln können und sich Senken und Gräben sehr schnell mit Wasser füllen, was eine Durchfahrt teilweise unmöglich macht. Die meisten Pisten werden dann geschlossen bis sie wieder trocken sind, da sonst zu viele Schäden an der Fahrbahn entstehen, z.B. tiefe Furchen usw.

So hieß es dann "Gas geben und durch", bei strömendem Regen hatten wir dann auch die ersten Wasserdurchfahrten.

Das Farbenspiel der Natur vor und nach solchen Regengüssen ist jedes Abenteuer wert und ist mit Worten nicht zu beschreiben. Die Strecke war gut aufgeweicht und mit einigen Schlammpassagen durchsetzt. Aber wir fuhren ja Niva - "Heavy Terrain-Niva only"

Ich musste auf der ganzen Strecke ständig anhalten weil einige Skinks und Lizards

die Strasse überqueren wollten. Petra meinte, ich müsse ihnen helfen, sonst würden die "armen Kleinen" ja überfahren.

Der Regen hatte aufgehört und es hatten sich schöne Matschlöcher gebildet, wir legten extra Foto und Filmpausen ein, um den Spaß für uns und die Daheimgebliebenen festzuhalten.

In Akaroola (in den Gammon Ranges) angekommen kamen gleich einige Leute auf unser Auto zugelaufen um uns nach dem "Woher, Wohin und Wie" zu fragen, denn wir kamen ja von der eigentlich geschlossenen Strecke. Wir haben unser Camp neben einem ausgetrockneten Flussbett aufgeschlagen. Direkt im Flussbett (Greek) zu campen sollte man tunlichst vermeiden, auch wenn es an Ort und Stelle gerade nicht regnet, kann es 100 km weiter geregnet haben, dann wälzt sich eine Flutwelle durchs Flussbett, die alles wegspült. Aber auch wenn das Wasser nur langsam steigt ist es ärgerlich seinen ganzen Kram in Sicherheit zu bringen, deshalb "don't camp in a greek".

Der nächste Tag begann mit ausgiebigem Frühstück und einem kleinen Small-Talk mit einem Westaustralier der uns ansprach im Glauben, wir seien Australier. Warum? - Wir hatten australische Nougatcreme zum Frühstück und kein Nutella (kein Witz!).

Nach ein paar Witzen über den Niva haben wir uns verabschiedet und die Umgebung erkundet. Wir folgten einer grob auf ein DIN A4 Blatt gezeichneten Karte zu einem erst kürzlich freigegebenen Track durch die Berge. Dieser war ursprünglich nur für erfahrene 4WD Reiseführer freigeben. Das "Warum?" kam gleich am Anfang, nach einem kleinen Linksknick durch ein Gebüsch standen wir plötzlich vor einer steilen Auffahrt. Das obere Ende des Hügels war nur durch vorbeugen übers Lenkrad zu erkennen. Ohne Untersetzung und gesperrtes Verteilergetriebe kamen wir etwa ein Drittel des Hügels hinauf. Ich wollte einfach wissen wie weit ich mit dem vollbeladenen Niva gehen kann. Ich ließ ihn zurückrollen legte Untersetzung und die Sperre ein, es polterte ein wenig und wir schauten wie bei einem Raketenstart in den Himmel und ehe wir uns versahen waren wir oben. Es ist einfach der Hammer, was dieses kleine Auto kann, man traut es ihm auf den ersten Blick nicht zu. An einer kleinen Auswaschung schrabbten wir mit der vorderen und hinteren Stoßstange die Böschung hoch und runter, hier waren wir mit dem kurzen Niva voll im Vorteil. Wie hier ein Defender oder Landcruiser durchrappelt bleibt offen.

Am Abend erreichten wir Port Augusta, wo wir ein paar Tage bei einem Freund und seiner Familie verbrachten. Vielen Dank an die ganze Familie Place, die uns herzlich aufgenommen hat und so eine noch festere Verbindung zu ihnen, dem Land und den Menschen besteht. "Hey Bill you are the Boss!!!"

Nachdem unsere Westpack Bankkarten endlich eingetroffen waren konnten wir in Richtung Westaustralien aufbrechen. Es gibt nur eine Strasse dorthin, etwa 2.000 km über die Nullabor Plain bis Coolgardie, wenig Bäume, ziemlich eben, mit der längsten "Geraden" Australiens (140,3 km). Alle 300 bis 400 km kommt eine Tankstelle, "Roadhouse" genannt. Wer glaubt hier gibt es nichts zu sehen irrt, entlang der Strecke gibt es eine wunderschöne Küste mit teilweise steil abfallenden Küstenstreifen oder riesigen Sanddünen, auch "Whale Watching" ist möglich.

Es gibt immer wieder kleine Zufahrten zu Aussichtspunkten, von dort aus kann man Küste und Meer ausgiebig beobachten, wenn das türkis farbige Wasser mit einer weißen Gischt an den Klippen zerschlägt, ein Wahnsinns-Anblick.

Die Grenze zu WA besteht nur aus einer Tankstelle mit Campground und einer Kontrollstelle, nicht etwa für Pass oder Visum, sondern für Früchte und Gemüse. Es darf nämlich nichts nach WA eingeführt werden, nicht einmal Honig in der ungeöffneten Flasche. Es gab in den 70ern eine Fruchtfliegen-Epidemie, seitdem haben die Australier schwere Quarantäne Bestimmungen.

WEST AUSTRALIEN

Von der Grenze WA nach Coolgardie sind es ca. 950 km. Diese Distanz haben wir an einem Tag zurückgelegt, da wir durch die Zeitverschiebung zwei Stunden geschenkt bekommen hatten. Da es mal wieder regnete übernachteten wir in einem Motel, was nicht die günstigste Art ist zu übernachten.

Motels kosten so ca. 40,- bis 100,-A$, je nach Standart. Leider war die Wetterlage während den drei Monaten nicht die Beste, so kratzten die Übernachtungskosten stark an unserem Budget.

Unsere Tagesetappen waren trotz Besichtigungstouren zu Sehenswürdigkeiten und Nationalparks immer ca. 400-600 km proTag und so landeten wir bald in der Nähe von Perth.

Nach einem reichhaltigen Mittagessen, T-bone Steak für 15,- $, verabredeten wir einen Treffpunk mit Sue und Brian Winsall vom Niva-Club WA .

Wir wurden eingeladen einige Tage bei ihnen zu verbringen. Für uns wurde im Vorgarten der Campertrailer aufgeschlagen, und mit Licht, Kühlschrank und Toaster ausgestattet. So besichtigten wir Perth und erkundeten die Umgebung und ließen Kundendienst am Niva machen.

Ebenso besuchten wir ein Niva-Club-Meeting und einige Mitglieder, besonders Les und Hellen sind Unikate in Sachen Niva. Und es wurde viel Gelacht. Auch Erik Brandstaetter bot uns seine Hilfe an und vermittelte uns weiter, an seine Schwester sowie an seine Mutter, die uns weiter oben in WA in Empfang nehmen sollten. Was leider nicht zustande kam, doch dazu später mehr.

Brian arbeitet als Selbständiger im Bereich Gartengeräte-Verkauf. Ich als gelernter Landmaschinenmechaniker war hier natürlich in meinem Element. So machte ich mir den Spaß bei Auslieferungen mitzufahren. Die Kunden schauten nicht schlecht als ich mich als neuer Chef vorstellte. Der Spaß kam gut an, viele Kunden fragen noch heute nach mir. "Mann kann ja nie wissen!", für was man gute Kontakte brauchen kann.

Wir besprachen mit Brian und Les eine Route von Perth in Richtung Albany und zurück, um in Nationalparks an der Küste entlang ein Paar 4x4 Tracks unter die Räder zu nehmen. Les wollte uns unbedingt mit in den Busch nehmen um uns richtige Offroad-Tracks zu zeigen. Doch die Zeit drängte, da wir noch nach Broome wollten.

Auch Brian warnte uns "don't go with him, you break your car". So fuhren wir durch einige kleine Nationalparks auf kleinen Pisten, teils an der Küste entlang und manchmal durch dichten Wald. Wir fuhren durch eine unbeschreibliche Landschaft auf Wegen die bei uns bestenfalls als Wanderweg ausgewiesen wären. Und das hier alles Legal. Über Pointroad und Cape to Cape Track landeten wir an einem einsamen Strand. Die Fahrzeugspuren führten über den Strand und bogen in die Dünen ab. "Also, hier sollte es weiter gehen?" Unsere erste Sandpassage. Auf und los in der Hoffnung nicht stecken zu bleiben, denn wenn die Flut kommt ist der Spaß vorbei. Sollte man sein Fahrzeug nicht rechtzeitig wieder befreit haben ist es unrettbar verloren. Dementsprechend schockiert schauten wir als die Spuren mitten in den Dünen endeten. "Oh, shit - alles wieder zurück". Nach dieser Aktion war erst einmal ein kühles Bad in der Brandung erforderlich.

Irgendwo in einem kleinen Nest lernten wir Markus aus der Schweiz kennen, der die Outback-Nester als Ansiedlungen von verlorenen Seelen bezeichnete, und sich fragte wie und von was die Leute so leben. "T-ja manche Dinge sind für uns Mitteleuropäer nicht nachvollziehbar, und liegen außerhalb von unserem Verständnis".

Von Albany machten wir uns durch das Landesinnere wieder auf in Richtung Perth, auch hier wieder mit Abstecher in Nationsparks und zu Sehenswürdigkeiten wie Landwirtschaftsmuseen und Pferdefarmen. Nach einem kleinen zwischen Stopp in Perth verabschiedeten wir uns bei Brian, Sue, Les und Hellen und fuhren in Richtung Monkey Mia und Steep Point. Entlang der Strecke besuchten wir die Pinaceles eine aus der Erde korrodierte Gesteinsformation.

Auf dem Weg zur nächsten Tankstelle gingen zwei kurze Rucke durch den Niva und er lief nur noch auf drei Zylindern. Am Billabong Roadhouse diagnostizierte ich das vorzeitige Ende des Trips. Weder Zündkerze, -Kabel oder Verteiler waren defekt. Was einen Rückschluss auf einen schweren Schaden am Zylinder oder Zylinderkopf zuließ. Nach Beratung und Telefonat mit Brian in Perth beschlossen wir die 650 km auf drei Zylindern nach Perth zurück zu fahren. Ich beschloss die Nacht durchzufahren komme was wolle.

Nachtfahrten in Australien sind nicht ganz ungefährlich, nicht nur wegen den Tieren, die sich auf und neben der Fahrbahn aufhalten, auch die Roadtrains sind nicht zu unterschätzen. Wir mussten einmal ausweichen und machten einen unfreiwilligen Besuch im "Bush", weil uns zwei Roadtrains entgegen kamen, - nebeneinander!

Diesen Kolossen sollte man bei Tag und Nacht aus dem Weg gehen. Hier ein paar grobe Daten:

  • 2-4 Anhänger,
  • Länge zw. 45 und 60m,
  • 80-100 Tonnen,
  • 90-120 km/h Höchstgeschwindigkeit,
  • Anhalteweg ca. 1-2 km.

So kämpften wir uns mit einigen gefährlichen Situationen gespickt die 650 km bis Perth zurück. Während kurzer Telefonate unterwegs erfuhren wir das Brian, Les und Eric schon vom Zylinderkopf bis zum Ersatzmotor alles organisiert hatten.

Gegen 9:00 Uhr am nächsten Tag stand Les mit voll ausgerüstetem Werkzeugkoffer vor der Zelttür und fing an unseren Niva zu zerlegen, ich hatte keine Chance ihn davon abzuhalten. So reichte ich nur das von ihm gewünschte Werkzeug und machte mich so gut es ging nützlich. Unter dem Niva liegend und über ihm stehend belegte er unser Fahrzeug mit Flüchen im Wortlaut "bloody bus, bloddy hell und big bullshit". Das waren die Harmloseren. Ich wurde mit Brian losgeschickt Ersatzteile zu besorgen, während er den Zylinderkopf überholte, ein durchgebranntes Auslassventil war die Ursache für unseren Ausfall, weil ein Vorbesitzer ziemlichen Schxxx im Bereich der Steuerkettenspannung gebaut hatte. So wurde der Niva von Samstag auf Sonntag wieder in Schuss gebracht und wir konnten die Reise am Montag fortsetzten. Die Regenzeit im Norden war dieses Jahr recht früh, wie uns der Sohn von Brian telefonisch mitteilte, er ist Tourguide und fährt die Strecke wöchentlich.

So beschlossen wir die Route zu verkürzen und durch die "Mitte" zu fahren. Mit einem Umweg über Hyden und Wave Rock.

DER HOLLAND TRACK

Kurz nach Hyden beginnt die zweite Hälfte des Holland – Track , es sind jedoch immer noch ca.350 km . (Die gesamte Länge ist ca. 900km) durch westaustralischen Bush und Desert. Der Track folgt einer alten Route die, die Goldgräber früher zu Fuß mit Schubkarre und manchmal auch mit Pferd oder Kamel genommen haben um auf die Goldfelder im Landesinneren zu kommen. Die heutige Piste wurde durch die

Initiative von verschiedenen Privatpersonen und 4x4 Clubs wieder befahrbar gemacht. Ein ausführliches Heft mit Infos gibt es in Hyden. Wir haben zwei Tage gebraucht um die Strecke zu bewältigen, denn mehr als 40 Km/h waren nicht drin. Oft ging es Km weit nur im Schritttempo voran, da sich die Strecke oft mit engen Kehren durch dichten Bush schlängelte. Das Spinnifex-Gras schliff am Unterboden und die Äste von Büschen kamen durch die offenen Seitenfenster geschnellt.

Wir sahen so ziemlich alles was am Boden entlang kriecht, krabbelt und läuft. Echsen, Lizards, Skinks, Varane usw. Auf dem weg zu Bushtoilette schrie Petra plötzlich und kam wieder zurück, die Ursache war ein etwa 1,50 Meter langer Varan, der sich in einer ausgefahrenen Reifenspur sonnte. In Anbetracht der Situation entfernten sich beide in entgegengesetzter Richtung und das Vorhaben Buschtoilette wurde auf später verschoben.

Kangaroos kreuzten öfter unseren Weg und waren schnell wieder im Bush verschwunden, auch ein Emu kam des Weges und machte ein Wettrennen mit unserem Niva, der Emu war schneller und verschwand ebenfalls zwischen den Sträuchern.

Bei einbrechender Dunkelheit schlugen wir unser Nachtlager ein paar Meter abseits der Strecke auf. Unser Lagerfeuer erhellte die Nacht, worüber sich eine Fledermaus lauthals beschwerte, sonst muss man sich über wilde Tiere eigentlich keine größeren Gedanken machen. Außer ein paar giftiger Schlangen, Spinnen und je nach Region ein paar Krokodile und Haie gibt es keine größere Gefahr durch Wildtiere.

Unser Abendessen kochten wir in der Glut des Feuers und krochen anschließend in unseren Swag. Weit weg von jeder Zivilisation ein komisches Gefühl so alleine im Bush, wenn man es nicht gewohnt ist. Doch wir fühlten uns wohl, weit weg von Deutschland und doch "zu Hause".

Am Morgen erreichten wir Coolgardie, nach dem Frühstück ging es weiter in Richtung Kalgourlie, einer Bergbaustadt weit im Landesinneren von WA.

GREAT CENTRAL ROAD

Die Vorräte wurden aufgefüllt denn schließlich muss immer ausreichend Bier an Bord sein, etwas zu Essen und Trinkwasser sollten natürlich auch dabei sein, schließlich hatten wir die längste Strecke auf Gravelroad (Wellblechpiste oder schlechte Strasse) vor uns.

An der Tankstelle in Leonora bemerkte ich dass der Gepäckträger an fast allen Streben gebrochen war. Die wichtigsten Sachen wurden ins Auto geladen der Rest per Post nach Melbourne und Deutschland geschickt (ziemlich teuer). Das Ersatzrad wanderte auf die Motorhaube und wurde mit Spanngurten gesichert.

Von Kalgourlie nach Alice Springs via Victiora Dessert sind es ca.1900 Kilometer. Davon ca. 1300 Kilometer Wellblechpiste auf der Great Central Road - "Abenteuer wir kommen!". Von Levarton brachen wir auf. Am Abend hatte ich mich noch mit einer Reiseführerin unterhalten und mich über den Streckenzustand informiert. Worauf sie meinte, "diese Russenfahrzeuge können doch schwimmen!"

Auf den ersten Kilometern kamen mir die Worte von Les wieder in den Sinn, "this road shake the shit out off your car". Nach dreißig gezählten Schrottautos links und rechts der Piste haben wir aufgehört zu zählen. Wir wurden durch eine tolle Landschaft und durch wild lebende Tiere aller Art entlang der Strecke für die Strapazen entschädigt. Kamele, Emus, Kangaroos, Skinks, Pferde und Dingos. Wir fuhren durch einen riesigen natürlichen Zoo. Die Schläge die der Niva aushalten musste waren unbeschreiblich, wir wurden kräftig durchgerüttelt und manchmal dachte ich schon die Achsen fliegen weg. Wellblech "so hoch wie ein Haus". Höchstgeschwindigkeit mindestens 80 km/h darunter wurde es unerträglich, was das erkennen und umfahren von Auswaschungen nicht gerade vereinfachte. Irgendwo auf der Piste kam uns ein ziemlich lädierter Nissan Patrol entgegen. Kurz darauf überholte ich einen recht langsam fahrenden Touristen Landcruiser (Mietfahrzeug), auf unsanfte Art und schimpfte noch über diesen unerfahrenen Touristen. Den Zusammenhang erfuhren wir dann später. Der Nissan kam von der Piste ab und hatte sich unsanft im Busch überschlagen und wurde von dem Landcruiser wieder aufgerichtet, zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt, denn in dieser Gegend brauchen auch die Royal Flying Doctors etwas länger. Handys funktionieren außerhalb größerer Ortschaften nicht mehr. Hilfe kann nur über ein Satellitentelefon oder ein Hochfrequenz-Funkgerät herbei gerufen werden. Wir übernachteten in Warburton auf dem Campground hinter dem Roadhouse. Auch die Landcruiser Besatzung traf später hier ein - ein deutsches Ehepaar wie sich später herausstellte. Die Nacht war recht kurz, da ich Stunden damit beschäftigt war die Regenplane wieder zu befestigen und die Heringe in den aufgeweichten Boden zu schlagen, denn das Unwetter das uns einholte wurde von ständig drehendem Wind wieder über uns hinweg getrieben. Gegen drei Uhr morgens hatten wir die Nase voll und haben unser komplettes Zeug samt Swag in den Küchenbereich gebracht und dort unter dem Tisch bis zum Morgen geschlafen. Die Arbeiter die sich dort ihr Frühstück machten störten sich nicht an uns und ließen uns pennen. Erst das deutsche Ehepaar hat uns mit ihrem Pfannengeklapper geweckt. So haben wir gemeinsam unser Frühstück bereitet und uns dennoch angenehm unterhalten. Normalerweise haben wir gemieden mit anderen deutschen Touristen in Kontakt zu kommen, bzw. uns als Deutsche zu outen. Was damit zu tun hat wie sich mache dort verhalten und auch benehmen, unsere Erfahrungen sind mit ein paar Ausnahmen nicht die Besten.

"Danke und Bitte" werden in allen Ländern der Welt in allen Sprachen verstanden. Von Warburton in Richtung Docker River war dann wenig Wellblech aber dafür tiefe lange Pfützen. Endlich war der Niva wieder in seinem Element. Hier hatten wir dann auch die tiefste Wasserdurchfahrt, kurz nach Docker River an der Grenze an NT war ein kleines fließendes Gewässer entstanden an der Fahrerseite staute sich das Wasser und lief über die Motorhaube. Ohne Snorkel sind solche Sachen nicht ganz unproblematisch, Zündungsteile wurden vorher mit Heißlagerfett zugeschmiert, damit kein Wasser eindringt.

Das Licht- und Farbenspiel der Natur entschädigt, für alle Strapazen die man aufgebracht hat. So fuhren wir die letzten Kilometer bis zu den Olgas (große Berg-/ Felsformation) fast schon relaxt. Wir sahen die Olgas zuerst als kleine Knubbel zwischen den Hügeln hervorlugen doch bald standen wir direkt davor, eine riesige Felsformation türmte sich vor uns auf, wir hatten das ende der Piste erreicht und wieder Teerstrasse unter den Rädern.

Wir hatten keine Zeit uns heute lange bei den Olgas aufzuhalten denn wir wollten rechtzeitig zum Sunset am Uluru sein. Wir kamen sozusagen durch die Hintertür in den Uluru National Park und sparten so die Eintrittgebühren für einen Tag. Dann kam er in Sicht "der AYERS ROCK". Soviel hat man über ihn gehört und gelesen und dann ist es Wirklichkeit, dieser riesige Monolith mitten im Nichts lag nun vor uns. Es stellten sich merkwürdige Mystische Gefühle ein. Selbst bei mir, der ihn nun schon zum dritten mal sieht, kam wieder dieses Gefühl das man nicht richtig beschreiben kann.

So stellen wir uns völlig verdreckt und abgekämpft mit unserem verschmierten Niva in die Reihe zwischen all die schönen weißen Mietwagen mit der dazugehörenden Touristenschar in ihrem feinen Freizeitoutfit. Wir wurden merkwürdig beobachtet und entgültig in die Kategorie durchgeknallte

Australier eingestuft, nach dem ich mich auf das Ersatzrad auf der Motorhaube stellte,

eine Dose gut gekühltes EMU-Bitter aufriss und meinem Freund dem Uluru (Ayers Rock) zuprostete. Ihr hättet die Gesichter sehen sollen!

Das wichtigste wenn man durch Australien und das Outback fährt, die Kühlbox immer gut gefüllt mit gehacktem Eis und ein paar Dosen Bier. Die nächsten drei Tage verbrachten wir mit wandern und Besichtigungen von Uluru, Kata Tjuta (Olgas) und der Aboriginal Art Gallery. Auch Camelreiten und gut essen gehen bei Geggos im A.R. Ressort stand auf dem Programm. Das Ressort ist eine kleine Stadt mitten im Nichts gebaut für Touristen und daher auch nicht besonders günstig, das billigste Zimmer kostet 125,-A$ ein Platz auf den Campground 24,-A$.

Unsere Reise ging weiter in Richtung Kings Canyon auch ein Niva braucht ab und zu Benzin. Wir hielten nach ca. 80 km am Curtin Springs Roadhouse und Homestaed. Doch der Generator für die Stromversorgung war ausgefallen und die Reparatur sollte 30 min. dauern, wir blieben drei Tage. Oh, der Generator lief nach 30 min. wieder, doch wir waren nicht mehr in der Lage weiter zufahren. Petras angebliche Apfelsaft-Schorle hatte mehr Alkohol als mein Bier, so blieben wir einfach da, denn der Campground war kostenlos eine warme Dusche mit integriertem Wildlife kostete 1,-A$, das Essen war gut und billig, der Camelritt kostete die Hälfte dessen was es im AR Ressort gekostet hat und war doppelt so lange. Die erste Nacht war besonders lange um 3 Uhr morgens begab ich mich in Richtung Bett nach 7 letzten Drinks (Bundaberg Rum mit Cola). Eine Australierin und eine Engländerin überredeten mich immer wieder doch noch etwas sitzen zu bleiben, es war eine muntere Runde aus Angestellten, Durchreisenden und ein paar "Touristen".

Oh Wunder hielten sich die Nachwirkungen in Grenzen so verbrachten wir die Tage mit Postkarten schreiben, Camelreiten und an unserem Lieblingsplatz dem "Beer-And-Bullshit-Corner“.

Wer also keinen Wert auf "Schicki Micky" und besonderen Komfort legt ist besser beraten die 80 Km zum Uluru Nationalpark hin und zurück zu fahren als dort teuer abzusteigen. Leider mussten auch wir weiter denn wir wollten ja noch mehr sehen

So machten wir einen Stop am Kings Canyon um ein wenig zu Wandern dann ging es weiter nach Alice Springs. Wir übernachteten im Melanca Backpacker Ressort. Für Petra das erste mal und für mich das letzte mal, wer Lust auf Party und Aktion hat ist dort gut aufgehoben.

Aber irgendwie haben wir keinen Bock mehr nachts um 2 Uhr aus dem Bett zu fallen, weil neben an ein paar englische Kids die "Sau raus lassen", so machten wir uns nach ein paar Ausflügen rund um Alice auf den Weg nach Norden, das Outback rund um Alice wollten wir uns für den Rückweg aufheben. Denn die Zeit drängte, die Regenzeit war früh dieses Jahr.

So ging die Reise weiter nach Norden via Stuart Hyw. Wir waren spät aufgebrochen

und hielten am Barrow Creek Roadhouse zum Tanken und Übernachten. Das Roadhouse hat noch den altem australischem Flair. Übernachtet haben wir hinter dem Haus auf der Wiese zwischen ein paar freilaufenden Hühnern. Sanitäre Anlagen an solchen Orten sind nichts für "Schicki Mickys", sie waren zwar sauber aber rein optisch eher "zweckgebunden". Der nächste Halt war an der Aboriginal Art Gallery "Red Sand", hier hielten wir auf dem Hin- und Rückweg, der Kaufrausch hatte uns gepackt. (was wir später bereuen sollten). Wir kauften schöne Gemälde in verschiedenen Größen, unser Glück war dass die Künstlerin selbst kurz anwesend war und uns die Bedeutung der einzelnen Malereien erklärte, so einzukaufen ist etwas anderes als in irgendeinem Souvenirshop .

Je weiter wir nach Norden kamen desto heißer und tropischer wurde es. Wir passierten die Devil Marpels, eine Felsformation in der Form von "Murmeln". Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machte uns und dem Niva schwer zu schaffen, das Benzin kochte im Vergaser was besonders beim Beschleunigen zum Stottern führte, wir versuchten uns in den Mataranka Pools etwas Abkühlung

zu verschaffen diese liegen etwas abseits des Stuart Hwy. und sind natürliche warme Quellen, "Badewannen Temperatur", die Abkühlung hielt nicht lange.

Der nächste Stop war das Daly Waters Pup "since XXXX". Ursprünglich wollten wir weiter fahren, doch der Swimmingpool war direkt neben der Bar, das Bier war kalt und das Essen gut, so sind wir auch hier für eine Nacht hängen geblieben.

Bei der hohen Luftfeuchtigkeit und der Hitze war es im Swag kaum auszuhalten, wir sind mitten in der Nacht zur Dusche aufgebrochen. Ich musste Petra Geleitschutz geben, nein nicht weil wir in der Männerabteilung waren, sondern weil sich das ganze tropische Tierleben in den Toiletten und Duschen befand.

Frösche in den unterschiedlichsten Farben, Geggos und alles was an der Decke entlang läuft ohne herunter zufallen. Putzige Tierchen, wenn man sie mag! Nach Darwin war es nun nicht mehr weit und als wir dann das Ortsschild passierten war es als wenn ich nach Hause kommen würde. So viele Trips haben hier angefangen oder geendet. Auch mein Freund Tony hat hier lange gelebt bis es ihn nach Alaska verschlagen hat - ein krasser Gegensatz - aber was tut man nicht alles für eine Frau.

Wir wohnten, wie kann es anders sein, im Froggs Hollow, (YHA) Zimmer mit Klimaanlage, Whirlpool und Swimmingpool auf der Terasse. Was braucht man mehr!?

In den nächsten Tagen besuchten wir die Krokodilfarm, den Fogg Dam und den Litchfield Nationalpark mit seinen vielen Bademöglichkeiten, besonders die Rockholes sind einen Besuch wert. Baden am Wasserfall, dazu ein kühles Bier, es ist die beste Abkühlung die ich mir denken kann.

Jeden Abend kam dann das abendliche Gewitter, was für ein paar Minuten Abkühlung brachte.

Das schlimmste Unwetter erlebten wir auf der Rückfahrt vom Litchfield Park. Ich hatte kurz vorher noch einen Frilledneck Lizard (Kragenechse) im Bush gefangen und ihn zum filmen auf die Motorhaube gesetzt, er war davon nicht sehr begeistert und so gibt es jetzt ein schönes Video mit zwei die vor Schreck hüpfen und schreien. Die Strasse führte über einen Hügel und da war sie diese riesige schwarze Wand auf der rechten Seite der Strasse. Solche Dimensionen eines Unwetters hatten wir vorher noch nie gesehen, die Wolke war am Boden fast schwarz nach obenhin heller werdend, der Überhang war schon fast wieder weiß. Es sah aus wie eine riesige Brandungswelle. Auf der linken Seite der Strasse war heller Sonnenschein das Meer glitzerte in weiter Entfernung und in der schwarzen Wand zuckten die Blitze wild waagrecht und senkrecht hin und her. Das Grollen das man vernahm hörte sich bedrohlich an.

Wir hofften noch am Unwetter vorbei zukommen doch die Strasse machte einen rechts Knick und wir waren mitten drin, als wenn jemand das Licht ausgeschaltet hätte. Die Blätter flogen vor unserer Windschutzscheibe vorbei wie in einem Schneesturm, dummer Weise hingen manchmal auch noch die dazugehörigen Äste dran. Wir waren froh die Lichter der ersten Ortschaft zu sehen, hier waren schon Einsatzkräfte mit Blaulicht unterwegs. Der schlimmste Teil des Unwetters war mit über 80 km/h vor uns hergezogen. An der Kreuzung zum Stuart Hwy. blieben wir stehen, es ging kaum noch ein Lüftchen aber es war noch immer "Nacht" nur die Blitze zuckten über unsere Köpfe hinweg.

Auch die Tage in Darwin gingen zu Ende und wir wollten wieder zurück mit einem Umweg über den Kakadu National Park. Wir schauten uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an, Ubirr Rock, Nurlangi Rock und machten eine Bootstour in der Nähe von der Border Village, wo wir auch übernachteten, natürlich mit Klimaanlage und Swimmingpool. Der Besitzer des YHA war sehr freundlich. Wir sollen erst mal in den Pool hüpfen und uns den Sonnenuntergang am Ubirr Rock anschauen bevor wir die Förmlichkeiten erledigten.

Die meisten 4WD Pisten im Park waren wegen der Regenzeit geschlossen so fuhren wir wieder zum Stuart Hyw. um uns einen Platz zum übernachten zu suchen. Der Campground Lazy Lizard war sehr schön, wir konnten wegen der Hitze jedoch kaum schlafen, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit konnte man kaum atmen.

Am nächsten Tag kamen wir bis Kathrine, wo an einer Tankstelle der Anlasser des Nivas nicht mehr seiner Aufgabe nachkommen wollte den Motor zu starten .

So suchten wir uns eine Werkstatt um das Problem zu beheben. In einer kleinen KFZ-Elektrik-Werkstatt fanden wir freundliche "und hübsche" Unterstützung, - ich durfte das "schxxx Ding" selbst ausbauen was beim Rechtslenker etwas aufwendiger ist. Belinda, die Mechanikerin, zerlegte den Anlasser um zu sehen was los war: am Magnetschalter war ein Teil abgebrochen. Ich ließ es gegenüber im Trailershop wieder anschweißen und baute den Anlasser wieder ein. Belinda ist übrigens Östreicherin, die hier vor 3 ½ Jahren hängen blieb, als ihre Lichtmaschine streikte. Sie spricht absolut perfektes "Aussie-English" und hat mit Europa "abgeschlossen"! Sie möchte, wenn möglich, für immer bleiben. (Ich drücke ihr die Daumen, dass sie nie wieder nach Europa zurück muss)

Am nächsten morgen ging es weiter nach Süden, den Plan über WA und Broom zurück zufahren mussten wir aus finanziellen und zeitlichen Gründen aufgeben (wir bereuen es bis heute). Das kommt davon, wenn man sich nicht zurückhält und die ganzen schönen Sachen kauft, wie Digs (Musikinstrument der Aborigines), Bilder, T-Shirts usw. Aber auch zeitlich wäre es knapp geworden, schließlich hätten wir über die Westküste und die Nullabor Plane wieder zurück gemusst, alles zusammen über 6000km.

Aber alles Weinen und Jammern half nichts, zurück über Alice Springs.

Kurz vor Alice biegt der Artlunga Tourist Drive ab ein "Unseald Track", der in einer Schleife um AS herumführt und in der nähe vom Ross River Homestaed wieder herauskommt. Es sind etwa 200 km Piste, die teilweise durch hügliges Weideland führt und sich gegen Ende wieder in die Berglandschaft rund um AS windet. Bitte bei der Höhe nicht an den Schwarzwald oder gar die Alpen denken.

Wichtig ist wenn man durch die Gatter der Farmen fährt sie hinter sich wieder zu schließen, sonst kann es Ärger geben. Genervte Farmer hängen schon Schilder auf "close this Bloody Gate".

Den Plan im Bush abseits der Piste zu übernachten haben wir aus wettertechnischen Gründen mal wieder abgebrochen. Außerdem hatte dieser Esel der ständig durchs Unterholz gelatscht ist so genervt das wir zum Ross River Homestaed weiter gefahren sind, um dort in der Blockhütte zu übernachten.

Am Morgen kam Petra schreiend aus der Hütte gelaufen und meinte es schaue etwas langes schwarzes hinter der Lüftung hervor "könnte eine Schlange sein"!

Na ja es war der etwa 50cm lange Schwanz eines Reptils mit vier Beinen und Krallen. Welche Art konnte ich nicht feststellen, denn es ließ sich nicht hinter der Lüftung hervorziehen und verschwand dann komplett. Wir fuhren weiter nach AS um ein paar Vorräte aufzufüllen, damit wir den nächsten Track unter die Räder nehmen konnten. Doch schon die ersten paar Kilomenter entpuppten sich als Wellblechpiste hinzu kam dass sich bei Petra eine "Blasenentzündung" anbahnte, wir brachen ab, suchten in AS einen Arzt und landeten dann im Krankenhaus bei der "Notaufnahme". Wir mussten über drei Stunden warten, um drei Pillen zu bekommen. Aber die Stunden waren interessant: "Emergancy Room" ist ein Schxxxx dagegen.

Wir fuhren über den Stuart Hyw. bis zum Abzweig der das Rainbow Valley auswies. Es ist eine kurze aber sehr schöne Strecke zu einer Felsformation, die besonders beim Sunset in ihren prächtigen Farben leuchtet. Wolken und Gewitter am Horizont trugen ihren Teil dazu bei. Der Niva war endlich wieder in seinem Element, die letzten Kilometer waren mit Löchern und Sandpassagen bestückt.

Ich trank mein abendliches "gute Nacht Bier" und dann gingen wir schlafen. Doch auch mir ging es gesundheitlich nicht so gut. In der Nacht sprang mein Herz fast heraus, ich hatte hohes Fieber mit Schüttelfrost. Petra wurde wach und stopfte mich mit Medizin voll, die wir mitgebracht hatten. Am Morgen ,als wir aus unserem Swag krabbelten, ging es mir besser, als wenn nie etwas gewesen wäre - sehr merkwürdig. Petra sagte: "..ich dachte du stirbst!"

Egal was es war, ich will es nicht mehr wissen. So duschten wir wie "Gott uns schuf", es war ja keiner da, den es gestört hätte und unsere Solardusche sollte auch nicht umsonst mitfahren.

OODNADATTA TRACK

Auf dem Suart Hwy. fuhren wir bis Marla, denn hier beginnt der Oodnadatta Track. 1998 mussten wir das Vorhaben aus Witterungsgründen aufgeben, diesen mit unserem Falcon komplett zu fahren. Bei Trockenheit ist es kein Problem den Track mit einem normalem Auto zu befahren, doch bei Regen sieht das anders aus. Diesmal waren wir gut gerüstet und ich wollte unbedingt noch bis zum Willam Creek Roadhouse kommen. Der Track folgt der alten Trasse der "Old Gahn"-Zugstrecke. Teilweise erkennt man noch die alten Bahnhöfe entlang der Strecke, manche sind gut erhalten und sogar die Wasserversorgung aus alten Brunnen funktioniert noch. Die letzten 80km fuhren wir bei Dunkelheit und waren sehr froh als wir die Lichter der kleinen Ansiedlung sahen, außerdem hatten wir großen Hunger.

Auch der kleine Streuner mit vier Pfoten freute sich über unser Erscheinen und nahm gleich den Niva in Besitz, um uns auf den Campground zu geleiten. Obwohl die Küche seit 1 ½ Stunde geschlossen war (wir hatten die Zeitverschiebung vergessen), bekamen wir trotzdem noch unser Chickenschnitzel mit Pommes und Salat.

Am nächsten Tag ging es weiter über Maree, Lyndhurst nach Port Augusta zu Bill.

Unterwegs bekamen wir noch einen kleinen Schock am "Pussy Willow" ,ein Baum an dem etwa 20 Tote Katzen aufgehängt waren. Verwilderte Katzen sind zu Abschuß freigegeben, da sie die einheimischen Tiere bedrohen. Aber am Baum aufhängen!?

In Lyndhurst sollte man einen Abstecher zu "Talk Alf" machen, einem Künstler der aus einer Art Speckstein schöne Kunstwerke macht, dazu gibt es interessante Ausführungen und Erklärungen zu den Inschriften der Kunststücke.

FLINDERS RANGE

Am Abend waren wir wieder in Port Augusta und Bill freute sich und präsentierte uns stolz seine Weihnachtsdekoration vor seinem Haus. Wir zogen Weihnachten etwas vor und hatten viel Spaß beim Weihnachtsessen und Geschenke austauschen. Abends gingen dann in den Strassen die Lichter der Weihnachtsdekorationen an, es ist schon komisch Weihnachten in kurzen Hosen bei 30°. Wir machten uns auf zu einem Wochenendausflug in die Flinders Range, eine Bergkette in der Nähe von Port Augusta und Quarn. Wir fuhren auf kleinen Nebenstrecken immer darauf bedacht Teerstrassen zu meiden. Auf dem Weg zur Bushtoilette hatten wir dann unseren ersten und einzigen Platten Reifen, auf der Innenseite aufgeschlitzt und daher völlig unbrauchbar, verfluchte Schxxxxx!

Über Carrieton und Hawkner kamen wir am Abend auf den Campground am Wilpena Pound an, hier sollte unser Ausgangspunkt für unsere Rundreise durch die Flinders Range werden.

Wir hatten ein ausgiebiges Abendessen und da offenes Holzfeuer im Sommer verboten ist versuchte ich einen Bush-Damper als Nachtisch, es ist das typische Outback-Brot. Eine Dose Bier, Mehl, etwas Zucker, den Teig 20 Minuten neben dem Feuer gehen lassen dann 20 Minuten in die Glut. Das ganze geht nur in einem guten Gusstopf mit Gussdeckel, denn etwas Glut soll auch auf den Deckel gelegt werden. Beim Gaskocher muss man den Teig dann im Topf wenden.

Eine gute Karte mit allen Pisten und Wanderwegen gibt es an der Rezeption des Campgrounds. So fuhren wir kreuz und quer durch die Flinders Range - eine der Pisten endete plötzlich im Flussbett? - etwas unschlüssig machte ich mich zu Fuß auf, um zu sehen ob der Track hier endet oder irgendwo weiter geht. Er ging weiter, ein paar Kilometer einfach durchs Flussbett.

Wir übernachteten in unserem Swag, des abends natürlich mit Blitz und Donner begleitet, der Regen kam jedoch erst morgens. Unser Frühstück nahmen wir deshalb im Blinman Hotel ein, es ist ein schönes kleines Hotel mit guter Küche und dem Flair der Pionierzeit. Unseren zweiten Kaffee tranken wir auf der Terrasse vorm Hotel wo ich einen kleinen Small-Talk mit dem Haus- und Hofhund hatte. Das Gejaule stieß auf Interesse und ich wurde von einem Gast gefragt, über was wir uns denn unterhalten würden - "na ; übers Wetter natürlich!"

Auf dem Rückweg verbrachten wir noch drei Stunden in einem kleinen Fluss mit Baden und Faulenzen, natürlich direkt neben dem Auto (Öko-freaks werden jetzt die Haare zu berge stehen).

Das Tanken am Parachilna Hotel dauerte auch länger, nicht das Tanken an sich, sondern das T-Bone Steak und die anschließenden Bundaberg mit Coke, brauchten ihre Zeit. Hier trafen wir auch Lionel von der Mount Swan Station etwa 400km von Alice entfernt mitten im Nichts. Er bot uns sofort einen Job an, als er hörte, dass ich Mechaniker bin. "Schxxxx, wenn man bindende Verpflichtungen in Deutschland hat". Sonst wäre die Rückkehr auf unbestimmte Zeit verschoben gewesen. Seine Telefonnummer habe ich noch, für alle Fälle. Auf dem Weg nach Wilpena Pound nahmen wir noch eine kleine 4WD Strecke zum Black-Gap unter die Räder.

Auf dem Rückweg zu Bill konnte ich Petra doch noch zu einer kleinen Wanderung am Akaroo Rock überreden, nicht ganz ohne Gejammer.

Auch die Zeit bei Bill ging zu ende und wir mussten zurück nach Melbourne. Der Abschied fiel allen sehr schwer und die Tränen flossen in Strömen. Auch der Niva war traurig, denn der Rückweg war nur noch über Teerstrasse, über das Barossa Valley mit seinen Weinanbaugebieten bis Adelaide mit dem Vorort Glenelg. Wir übernachteten in der Nähe auf einem BIG4 Campground (Luxusplatz), die letzte Nacht im Swag, mit Regen - wie sollte es anders sein. Zwei Tage später um 1 Uhr nachts erreichten wir Melbourne, glücklich Deklan wiederzusehen, traurig weil das Ende des Urlaubs nahte. Da wir völlig abgebrannt waren verbrachten wir die letzten Tage bei Deklan.

Wir schauten uns noch die Rösterei von Jasper Kaffee in Melbourne an. Hier gibt es sehr guten Australischen Kaffee, gepflanzt, gewachsen, geerntet und geröstet in Australien.

Auch von unserem Niva mussten wir uns ja trennen, leider, am liebsten hätten wir ihn mitgenommen, aber man kann nicht alles haben deshalb wurde er schön geputzt und inseriert. Der Tag der Abreise kam und Deklan fuhr uns zum Flughafen. Unterwegs tat es einen kurzen Ruck und sein Niva lief nur noch auf drei Zylinder. Das kam uns bekannt vor, ein Auslassventil war durchgebrannt, wie sich später herausstellte. Am Gate flossen viele Tränen, denn wir mussten uns von unseren Freunden und Australien verabschieden.

Deklan konnte den Niva erst nach ein paar größeren Reparaturen verkaufen, denn wenn ein Fahrzeug wieder weiter verkauft wird, muss eine neue "TÜV"-Abnahme erfolgen. Wir waren schon lange wieder in Deutschland als er einen Käufer fand.

Unser Hund Dingo freute sich minutenlang und wich die nächsten Tage nicht mehr von unserer Seite. Nach über einem Jahr der Rückkehr denken wir noch täglich an Australien, in unserem Wohnzimmer hängt eine Australische Flagge und mit unseren Freunden mailen wir fast täglich - Dank Internet.

Wohin die nächste Reise geht? - Nach Australien natürlich!

Mir fehlt noch ein Stück von der Westküste, dann war ich einmal rundherum und mitten durch.

Ein Traum von mir ist einmal durch die Simson Desert via French-Line und die Canning-Stock Route mit dem Niva. 1600 km keine Zivilisation und "no service".

Aber der Tag wird kommen, wo wir für immer dort bleiben!

Von August bis Dezember 2002 ist ein anderes Mitglied der Lada Niva IG in Australien unterwegs, natürlich mit einem Niva.

Meine Homepage (noch im Aufbau): http://www.dingo-au.de />

Homepage von unserm Niva Club: http://www.lada-niva-ig.de />

Australien hat ungefähr die Größe wie gesamt Europa, ca. 7500 km Breite und ca. 3800 km Länge.

Für alle die sich für Australien interessieren, es spüren wie der rote Sand durch die Finger rieselt und sich auf das Abenteuer einlassen möchten, sind mit Fragen bei uns Willkommen. Für alle anderen hält der Buchhandel ein große Auswahl an Reiseführern parat. Wer sich für 4WD in Australien interessiert, dem empfehlen wir als Einstieg den Reiseführer "Australien OUTBACK Manual" von Christian Pehlemann

Es Grüßen Joanna-Sarah, Petra und Frank Langohr