Ein lang gehegter Traum wurde Wirklichkeit - der Besuch der Geburtsstätte des NIVA

Nach langem Hin und Her kam in der 28. Woche die endgültige Einladung aus Toljatti von Herrn Zhigalko. Herr Trzaska und sein Team besorgten mir ein Blitzvisum und Jürgen Dannwolf (Lada-Welt) buchte den Flug ab Stuttgart nach Samara. Nur Christian und Jürgen von Lada-Welt und ich als Vertreter der LN-IG konnten so kurzfristig reagieren und die Einladung wahrnehmen. Der Koffer war schnell gepackt, auch Gastgeschenke und die Grußbotschaft unseres Präsidenten Lionel zum 40-jährigen Jubiläum von AVTOVAZ und natürlich Kamera etc. mussten mit ins Gepäck und dann ab nach Stuttgart.

 

Dort traf ich mich mit Jürgen und erhielt mein Ticket.

Jetzt begann das Abenteuer. Am 19. Juli um 19:05 Uhr hob die Czech Airline, eine Propellermaschine ATR 72, ab nach Prag. Hier trafen wir Christian Gooßen (Lada-Welt) und stiegen in eine Boeing 737 der Czech Airline und starteten um 21:40 Uhr nach Samara. Über den Wolken haben wir noch die Uhr 3 Std. vorgestellt (Zeitverschiebung).

Nach 3 Std. 45 Min. landeten wir am 20.Juli 04:25 Uhr Ortszeit in Samara. Hier erwartete uns ein wohl typisch russischer Flughafen, man fühlte sich gut 30 Jahre zurückversetzt ... halt russisch. Nach einer sich hinziehenden, Geduld und Gelassenheit fordernden Wartezeit ohne Aircondition passierten wir endlich die Einreisekontrolle.

Nach dem Empfang der Koffer wurden wir vom bereitstehenden Busfahrer der AVTOVAZ begrüßt. Noch war es dunkel und wir fuhren vorbei an Wegweisern in kyrillischer Schrift weiter über holprige Piste, bis endlich das Ortsschild "Toljatti" auftauchte.

Gegen 06:00 Uhr Ortszeit trafen wir dann in Toljatti im Hotel Jubileynaya ein. Nach dem Einchecken stand erst einmal ein russisches Frühstück auf dem Plan. Anschließend nahmen wir im Zimmer eine Mütze Schlaf, bis uns gegen 11:00 Uhr unser Gastgeber Hr. Zhigalko und Michael unser Dolmetscher abholten.

Donnerstag, 20. Juli, Tag 1:

Unser heutiges Programm begann um 13:00 Uhr mit der Betriebsbesichtigung, der Geburtsstätte der Ladas.

Auf breiten mehrspurigen Boulevards geht die Fahrt durch den Ortsteil ABTOBA 3 zum Werk. Hohe Siedlungsbauten in grünen Baumbeständen säumen den Weg. Welch ein Verkehr - (Lada, Lada 2107, Samara, Niva, etc. - aah - ein 2131, aah ein 2123 J) begegnen uns.

Jetzt taucht der berühmte AVTOVAZ-Tower vor uns auf in seinem unvergleichlichen Blau, gekrönt vom silberglänzenden Schiffchen - wie von Bildern bekannt.

Ja es ist war, ich bin in Toljatti.

Vor dem Werkstor angekommen erfolgt eine strenge Einfahrtskontrolle, aber Herr Zhigalko hat ja alles organisiert und wir rollen in einen Stadtteil für sich - das Werksgelände ist riesengroß. Vorbei an endlos langen Hallen erreichen wir Halle 062 / Tor 414, wir werden erwartet. Nach ungeduldigem Warten betreten wir jetzt endlich die etwas dunklen „heiligen Hallen“. Hier wird der Niva montiert.

Als erstes schweben von rechts an den Transportbändern hängend blau lackierte Karossen heran, um dann an den folgenden verschiedenen Stationen mit Motor und Fahrwerk verheiratet zu werden (Hochzeit). Inneneinrichtung, Türen etc. werden im weiteren Verlauf montiert, jetzt kommen die Räder drauf und der Niva fährt erstmals selbst zu Einstellarbeiten am Fahrwerk. Weiter geht es zur Endkontrolle, Prüfbericht dazu, dann verlässt der Niva die Halle..-. ein bewegender Moment.

Am liebsten würde ich einen IG-Aufkleber draufmachen und sagen: “das ist meiner – den nehme ich gleich mit“. Auch meine Begleiter/Freunde von Lada-Welt sind sehr interessiert und beeindruckt. Sie fiebern allerdings darauf, jetzt auch endlich die Montagehallen der Classic-Modelle 2107 etc., 110er Baureihe zu sehen. Auch ihr Traum geht hier in Erfüllung. Jürgen ist ganz aus dem Häuschen .... hier gibt es nagelneue 2107 mit dem1,7 Einspritzer... sein ganz persönlicher Traum (mit glänzenden Augen, O.-Ton...- "haben will."..!!). Draußen erwartet uns jetzt leichter Regen. Weiter geht es, wir fahren wieder einige Kilometer zur Halle 01/26 Tor 3. Hier werden wir von Zuständigen der Kalinaproduktion in Empfang genommen. Wir betreten eine moderne, helle, lichtdurchflutete Halle, in der das Zukunftsmodell Kalina (1119, 1118) auf das wir schon lange warten, produziert wird.

Weiter geht es im Tagesprogramm.

Am Nachmittag treffen wir den Direktor für Verkauf, Marketing, Technik, Herrn Direktor Aleksej W. Borissoglebskij. Hier werden wir nach freundlicher Begrüßung und Erklärung zur jetzigen Strategie etc. nach unseren Einschätzungen und Vorstellungen gefragt. Dies sorgt unter den Anwesenden für Diskussion. Hier wird auch die LN-IG für ihre unterstützende Arbeit für das Marketing lobend erwähnt.

Hier treffe ich auch Vlad Cherkashin, zu dem die LN-IG seit seinem Besuch im September 2001 beim 3. intern. Lada-Niva Treffen in Bedheim Kontakt hat und der dafür sorgt, dass die LN-IG in der Werkszeitung regelmäßig Beachtung findet.

Er war damals mit der russischen Delegation, zu der auch Herr Borissoglebskij gehörte, als Dolmetscher dabei. Auch Herr Borissoglebskij ist noch heute vom damaligen Treffen begeistert

Später am Nachmittag führt unsere Exkursion bei wechselhaftem Wetter zur Besichtigung Toljattis. Toljatti besteht aus 3 Stadtteilen (Altstadt, Neustadt und Komsomolsk), die durch größere Waldgebiete getrennt sind und alle an der Wolga liegen. Bei dieser Fahrt können wir dann auch die Wolga erstmals sehen und das Denkmal von Tatischev, dem Gründer von Stawropol / später Toljatti bewundern. Es regnet jetzt doch recht heftig, so dass wir die "Altstadt" und den "Hafen" vom Bus aus betrachten müssen.

Der erste Tag neigt sich dem Ende zu, als Abschluss findet das gemeinsame Abendessen mit unserem Gastgeber, Herrn Zhigalko und dem Dolmetscher in entspannter, gemütlicher Atmosphäre im Hotel Jubileynaya statt.

Zu später Stunde werde ich noch von Vlad C. in ein Lokal der Stadt eingeladen. Hier treffe ich auch mit seinen Freunden aus Krasgnojarsk zusammen, was traditionell mit Wodka gefeiert wurde. So ging der erste lange Tag, den Kopf voll mit dem Erlebten und sehr vielen positiven Eindrücken, zu Ende.

Freitag, 21.07.06, Tag 2:

Es regnet ... Heute steht der Besuch des Testgeländes in Sosnovka - Drivetest Lada 4x4 - auf dem Programm. Ich bin schon sehr gespannt .... endlich Niva und Gelände!! Nach etlichen Kilometern außerhalb Toljattis erreichen wir des Testgelände. Als Auftakt absolvierten wir eine Einführungsrunde auf dem Testoval mit Informationen zu Strecke. Hier wird nun die Begegnung mit russischen Nivafahrern/Clubs beim Trial stattfinden. Zwei vorbereitete Trial-Nivas wurden uns samt Helm etc. zur Verfügung gestellt. Ein Team mit einem Niva 2121-4 aus Moskau, sowie zwei Teams vom "Dschip Klub 4x4 Toljatti" sind mit einem Niva-Fora und einem Chevi-Niva anwesend.

Es wird Aufstellung in Reih und Glied genommen, alle werden vom Organisator begrüßt und ins Reglement eingewiesen. Der Wettbewerb besteht aus 3 Sektionen, 2 Verschränkungs-Trialpassagen und eine Zeitprüfung mit Trialeinlagen, die in vorgegebenen 4 min. +/- 10 sec. zu befahren sind. Die sonstige Wertung ist ähnlich wie bei uns.

Zuerst fahren die russischen Teams, so können wir uns besser auf unsere Fahrt einstellen. Der ursprüngliche Regen hat nachgelassen und so war der Boden optimal.

Der Sektionsleiter gibt mit der grünen Flagge das Startzeichen und los geht es in die anspruchsvollen Sektionen, die zweimal durchfahren werden.

Die Bewertung: Start nur nach grünem Flaggenzeichen des Sektionsleiters, Berührung der Torstange, Beschädigen des Fz, Rückwärtsgang einlegen, extra Punkte bei rot gekennzeichneten Torstangen, Umfahren von Torstangen, Band berühren, Verlassen der Sektion summieren sich zu Minuspunkten.

Nach Beendigung des Trials fuhren wir zum Restaurant des Testgeländes. Wir wurden alle drei vom regionalen TV-Team interviewt - von unseren Eindrücken hier vor Ort und unseren Clubtätigkeiten in Deutschland. Anschließend war Siegerehrung. Die routinierten russischen Teams belegten die Plätze 1 und 2, den Pokal für den 3. Platz konnte ich zusammen mit meinem Co. Christian in Empfang nehmen. Christian belegte den 4. Platz mit Jürgen als Co. Auch Jürgen, der erstmals überhaupt an einem Trial teilgenommen hat, wurde als Copilot mit einem Pokal belohnt. Nun wurde das reichlich gedeckte Buffet für alle vom Organisationsleiter mit feierlicher Rede und einem Trinkspruch mit Wodka traditionell eröffnet. Weitere Wünsche und anerkennende Worte, auch von uns wurden, mit weiteren Trinksprüchen begleitet. Ein reger Gesprächsaustausch fand auch mit den Vertretern des „Dschip Klub 4x4 Toliatti“ statt, mit dem ein Treffen für den nächsten Tag vereinbart wurde, um den Trial Chevi-Niva im Gelände und einen Straßen-Chevi testen zu können.

Auf dem Weg zum Hotel stand nun noch der Besuch des Autoteile-Bazars "Lada-Bazar" auf dem Programm. Hier lebten wir nochmals richtig auf - Staunen als wäre Weihnachten, eine riesige Felgen- und Räderausstellung für Ladas und Nivas. Im eigentlichen Bazar im Erdgeschoss eines Parkhauses setzte sich das Staunen fort. Hier gab es in Container – ähnlichen Boxen alles an Zubehör und Ersatzteilen, was das Herz begehrt. Zubehör, wovon wir bisher nur träumen konnten. Ersatzteile zu Preisen wie im Schlaraffenland. Etliche Teile wurden gleich eingekauft - dank der kräftigen Unterstützung des Dolmetschers Michael und Herrn Zhigolka.

Am Abend wurde im Restaurant gemeinsam dieser Tag beschlossen.

Samstag., 22.07.06, Tag 3:

Heute - nach dem neue Rubel getauscht wurden - war als erstes wieder der Besuch der "Lada-Meile" angesagt um weitere Begehrlichkeiten / Teile zu kaufen. So wurde ein Großeinkauf von 4 Lada-Vergasern getätigt, für meinen Niva einen Carburator zum Traumpreis.

Nachdem die Sachen im Bus verstaut waren, ging es weiter zu unserer Verabredung mit den Leuten vom "Dschip Klub 4x4 Toliatti" am Ufer der Wolga. Bald traf der Präsident des Klubs Sergeji Schwabanow mit einem optimierten UAZ Patriot ein, der mich auch gleich zu einer Probefahrt mitnahm. Jürgen und Christian konnten dann auch erleben, was es heißt, 45° Abfahrt und Treppenstufen zu bewältigen. Später trafen der Trial Chevi-Niva und die Straßenversion des Chevi ein. Ausgiebige eigene Erfahrung konnte ich so mit diesen beiden Fahrzeugen machen. Der Trial Chevi begeisterte mich besonders.

Wir machten ein Gruppenfoto und bei diesem Anlass wurde mir eine besondere Ehre zuteil. Der Präsident Sergeji Schabanov überreichte mir seine Klubfahne. Ich bedankte mich für diese Begegnung und Gastfreundschaft, indem ich im Namen der Lada-Niva-IG einen Freundschaftspokal, einen großen IG-Aufkleber sowie mehrere unserer IG-Shirts überreichte.

Jetzt folgte noch ein Besuch bei einem Chevi-Niva-Händler in dessen großzügigen Verkaufsräumen gleich 5 Chevi-Nivas standen. Wir wurden bewirtet und dann stellte man uns in dem hochmodernen Betrieb, einen Chevi-Niva-Trophy vor, der mit Fahrwerk, Sperren, Winde und sonstigem sinnvollem Zubehör ausgestattet war. Es wurden Kontakte geknüpft für eventuelle spätere Toljatti-Besuche.

Nach dem Mittagessen besuchten wir das technische Museum mit Lada-Sonderausstellung zum 40 jährigen Jubiläum, vielen militär-historischen Fahrzeugen und Flugzeugen. Dabei nutzten wir die Gelegenheit, in der Zugmaschine der Besucherbahn, einem Niva 2131 (lang) mitzufahren, für uns Drei natürlich das größte Erlebnis.

Der Tag wurde in einem gemütlichen Lokal beendet.

Hier habe ich dann anlässlich meines Besuches zum 40.- Jubiläums des Werks unserem Gastgeber Herrn Zhigalko auch die Grußbotschaft des LN-IG Präsidenten Lionel Adelmann verlesen und die Grußbotschaft zusammen mit einem Freundschaftspokal zur Weitergabe an die Werksleitung überreicht. Auch Herr Zhigalko und Herr Bredichin wurden für ihr Engagement für meine Einladung mit einem Freundschaftspokal geehrt.

Sonntag, 23.07.06 Tag 4:

Heute machen wir einen Ausflug in einen nahen Naturpark „Bogatirskaja-Sloboda“. Die Fahrt führt uns wieder durch Stadtteile Toljattis und dann über den Staudamm der Wolga. Auf der anderen Seite der Wolga sind die Flussufer steil und die Landschaft ist bergig-hügelig. Es herrscht reger und dichter Verkehr auf der Staatsstraße M5. Wir verlassen die M5 und fahren über schmale Straßen durch dörfliche Siedlungen, bis wir über einen Feldweg Bogatirskaja-Sloboda erreichen.

Hier werden wir von einer Frau in russischer Tracht traditionell mit Brot und Salz begrüßt. Einleitend erklärt sie die Inschrift auf einem Feldstein, bevor wir zu Fuß das hier nach historischen Kenntnissen im Bau befindliche altrussische Dorf erreichen. Hier leben Erwachsene und Kinder so, wie es in diesem Teil Russlands im Mittelalter üblich war. Wir besichtigen die verschiedenen Dorfbauten und bekommen ein historisches Mittagsmahl gereicht, ein ganz besonderes Erlebnis.

Nach dem Essen steigen wir hinab ans Ufer des Flusses ...? wo ein kleiner Hafen, ebenfalls im historischen Baustil uns empfängt. Dort liegt auch das Boot, in dem wir eine Fahrt unternehmen.

Die Besatzung besteht aus 5 Jugendlichen, sie sind Steuermann und Ruderer. Wir fahren hinaus auf den breiten Fluss der in den Wolgastausee mündet.

Zurück vom Bootsausflug werden wir von einer kleinen Folkloregruppe empfangen, die uns Gesang und Tanz vorführt und uns so die russische Kultur näher bringt. Wir werden in Tanz und Rituale mit einbezogen, was für uns ein weiteres besonderes Erlebnis ist.

Der Tag neigt sich dem Ende zu und die Fahrt geht zurück über den Staudamm nach Toljatti ins Hotel. Ein wenig Kofferpacken und schon werden wir zum letzten gemeinsamen Abendessen von unseren Gastgebern Herrn Zhigalko, der Sohn und Schwiegertochter mitgebracht hat, abgeholt. In gemütlicher Atmosphäre genießen wir die letzte Mahlzeit. Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft und das Erlebte. Spät abends im Hotel verabschieden wir uns von unserem Gastgeber und neu gewonnenen Freund.

Jetzt schnell noch alles im Koffer verstauen, was nicht ganz einfach ist.

Am Montag 24.Juli um 2:30 Uhr fährt unser Bus zum Flughafen nach Samara.

Nach der Eincheck-Kontrolle - gleich 3fach und dann noch Koffer auf - welch eine Erfahrung ... starten wir gegen 5:20 Uhr Ortszeit gen Westen.

Ein Blick aus dem Fenster - unter uns liegt Toljatti. Etwas Wehmut umgibt uns, denn wir verlassen das Traumland der westlichen Lada- und Lada-Nivafahrer.

Meine Gedanken gehen zurück an das beeindruckende Erlebte, an die gewonnenen Kontakte, die Freundlichkeit unserer Gastgeber, ein Land, ein Ort, an den ich gerne noch mal zurückkehren möchte.

Der Flug ging wieder über Prag, wo wir uns von Christian verabschiedeten (er flog weiter nach Düsseldorf) und wir flogen nach Stuttgart, wo Jürgen dann seinen Weg alleine nach Blaustein weitergeht. Auch ich bin gesund und wohlbehalten heimgekehrt.

Ich hoffe, dass es bald möglich sein wird, dass auch andere Nivistis und ich sagen können: "Toljatti wir kommen“.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Trzaska und seinem Team für sein Engagement und Herrn Zhigalko für sein Bemühen, sie haben dieses Erlebnis möglich gemacht. Auch danke ich meinen Begleitern Jürgen und Christian von Lada-Welt, mit denen ich diese schöne Zeit verbracht habe.

Manfred Adelmann

Auf Wiedersehen ... daßwidánja ... Russland.