Anlässlich des 16. Internationalen Lada Niva Treffens in Stadtoldendorf am 08.-10. August 2014 durften wir uns über den Besuch von Bo Andersson freuen, der seit 2013 JSC Avtovaz als Präsident vorsitzt.
Durch die große Teilnehmerzahl bei diesem Treffen beeindruckt kam es zu einer spontanen Einladung zu einem Besuch einiger Niva- Fahrer nach Russland; speziell zu einer Werksbesichtigung in Togliatti.
 
Zunächst war man sich nicht darüber im Klaren, wie, wann und wie lange dieser Besuch durchgeführt werden sollte. Fest stand lediglich, dass mindestens 8 Nivas die Reise antreten sollten um innerhalb Russlands den auf einem Autotransporter durchzuführenden Transport der Autos zu ermöglichen. Es hätten sogar 16 Autos sein können, aber so vielen Mitgliedern war es einfach nicht möglich, in dieser Zeit noch ausreichend Urlaub zu bekommen; zumal der endgültige Reisebeginn um eine Woche, vom 27.09. auf den 04.10., verschoben wurde und auch die weiteren Einzelheiten der Reise quasi erst in letzter Minute feststanden. So wurden einerseits die Anreise mal mit Fähre ab Lübeck, mal mit Transporter für die Autos ab Berlin und Flug für die Fahrer in Erwägung gezogen. Letztendlich dann doch mit Fähre. Andererseits die Stationen in Russland auf drei große Events in Petersburg, Nizhny Novgorod und Togliatti gekürzt, dazwischen lag ein Besuch der Fahrer in Moskau, allerdings ohne die Autos. Aber davon im Folgenden mehr.
 
Am 04. Oktober trafen sich auf dem Parkplatz einer Baumarktkette in Travemünde gegen 13:00 Uhr
Fahrzeug Personen Nationalität
1 Olaf Vogel Deutsch
Kay Putscher Deutsch
2 Stephan Teschner Deutsch
Stephan Ziemer Deutsch
3 Ingo Jergens Deutsch
Christoph Mirko Jergens Deutsch
4 Jörg Knopse Deutsch
Uwe Nebelung Deutsch
5 Anton Kores Österreich
Guido Thase Deutsch
6 Dimitri Schwab Deutsch
Alexander Michaelis Deutsch
7 Jens Klapproth Deutsch
Axel Klapproth Deutsch
8 Harald Bonn Deutsch
Ole Jenning Deutsch
 
Mein Beifahrer Ole Jennings und ich waren bereits am Freitagabend in Lübeck eingetroffen. Wegen des am Tag der Deutschen Einheit zu erwartenden Ferienverkehrs wollten wir es nicht riskieren, am Samstag wegen möglicher Staus verspätet einzutreffen und hatten so Gelegenheit, uns am Samstagvormittag noch das schöne alte Lübeck anzusehen.  Gegen 15.30 Uhr starteten wir zum Fährhafen, um die Zollformalitäten zu erledigen, nachdem wir noch von Melanie (hatte an diesem Tag Geburtstag) und Ron Vollrath verabschiedet wurden.  Das ging alles recht zügig, und um 16.30 parkten unsere 8 Nivas bereits im Bauch der Finnpartner, die gegen 17:30 Uhr ablegte. Noch vor dem Ablegemanöver durften wir uns im Speisesaal am Buffett bedienen, und dann mussten wir uns wohl oder übel auf eine 2 ½ tägige Schiffsreise über die Ostsee einstellen.  Was soll’s – man kann ja was gegen Langeweile tun, und so hatte Jens Klapproth ein Fässchen Pfungstädter Pils an Bord gebracht, das gemeinsam geleert wurde.
 
So., 05.10.
Auch für den folgenden Abend hatte er noch mal ein 5-l-Fässchen Mönchshof Weißbier gesponsert. Die Zeit an Bord wurde uns mit „Kaiserwetter“ bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen versüßt. Ole Jennings, der früher zur See fuhr, machte es möglich, dass wir den Maschinenraum der „Finnpartner“ besichtigen durften. Das war eine besondere Ehre, die uns da erwiesen wurde - denn da kommen normalerweise k e i n e Passagiere hin. Aber da man uns als Autoklub-Mitgliedern genügend technisches Interesse zugestand, wurde hier eine große Ausnahme gemacht und wir wurden, in der Schaltzentrale beginnend, durch alle Abteilungen des Maschinenraums und weiterer technischer Einrichtungen, wie Ruderanlage, Heizungs- und Wasseraufbereitung sowie Werkstatt geführt. Mit uns reisten einige russische Trucker, die sich die Zeit mit Wodka vertrieben. Man kam recht schnell in Kontakt mit ihnen, und Uwe Nebelung nahm sich einen von ihnen aufs Korn, um sich auf ein „Kampftrinken“ einzulassen. Da das Größen- und Gewichtsverhältnis zwischen ihm und seinem „Gegner“ ungünstiger nicht hätte sein können, befürchteten wir alle das Schlimmste – zu Unrecht, wie sich 2 Stunden später zeigte, als unser „Üwchen“, zwar leicht angeschlagen, aber immerhin aufrecht gehend, gegen 12.30 Uhr wieder in unserer Runde auftauchte.
 
Mo., 06.10.
Erstmalig trübes Wetter und unruhige See. Wir befinden uns bereits auf der Höhe von Helsinki. Die in den vergangenen Tagen abgerissene Mobilfunkverbindung ist wieder möglich, verschiedene finnische Telefonnetze werden angezeigt. Die meisten von uns haben jedoch den Flugmodus aktiviert, da die Roaminggebühren bekanntermaßen erheblich Löcher in die Urlaubskasse reißen können.
 
Di., 07.10.
Es ist 04:15 Uhr, als uns der Kapitän per Kabinenlautsprecher weckt und uns die bevorstehende Landung in einer ¾ Stunde ankündigt. Nach und nach kommen die Lichter des Petersburger Hafengebiets in Sicht, und um 06:45 Uhr hat die „Finnpartner dann endgültig festgemacht. Wir verfolgen das Anlegen draußen auf Deck, es ist saukalt, laut Durchsage nur 6 Grad Celsius. Wir alle haben warme Klamotten mit, die jetzt gelegen kommen.  Um kurz nach 8 Uhr ruft der Kapitän die Passagiere zum Konferenzraum, und dann stehen wir vor 2 russischen Zöllnerinnen, die unsere Pässe und Einreisedokumente prüfen. Nachdem wir unsere Papiere ausgehändigt bekommen, stehen wir – endlich – mit unseren Nivas auf russischem Boden, vor der ersten Zollstelle, die uns die Einfuhrgenehmigungen für die Autos ausstellt. Das sollte eigentlich schnell gehen, aber da hatten wir uns gründlich getäuscht.  Der Computer im Zollgebäude ist ausgefallen, fährt angeblich nicht hoch, und nix geht. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens bietet Dimitri Schwab sich an, da zu helfen, aber man lehnt sehr bestimmt ab. Mit russischer Gründlichkeit werden an der zweiten Spur – mit dort funktionierendem Computer – die LKW abgefertigt, einer nach dem anderen verlässt den Laderaum und fährt nach kurzem Aufenthalt am 2. Zollhäuschen vom Platz.
Und wir PKW-Fahrer stehen… und stehen… und stehen. Kurz und gut: gegen 13 Uhr werden ist ein Rechner einsatzbereit, und die ersten PKW (natürlich nicht nur unsere Nivas, da haben sich einige weiter Autos vor- und dazwischengedrängelt) werden abgefertigt. Die Prozedur dauert pro Auto ca. 30 Minuten, es muss jeweils ein Formular ausgefüllt werden. Da geht alles seinen gründlichen Gang, das hätte man ja auch schon in der Zwischenzeit machen können, in der wir nutzlos herumstanden, aber na ja. Russische Gründlichkeit, Teil 1.  Erst mal das Blatt in russischer Ausfertigung ausfüllen. Fertig? – Denkste!  Russisch können wir ja nicht, da hätten wir ja alles Mögliche reinschreiben können.  Also noch mal das Ganze, diesmal Formblatt 2a in deutscher Sprache. Russische Gründlichkeit, Teil 2. Gründlich? – Man wird sehen.  Gegen 16.00 Uhr sind wir dann durch und können die nächste „Hürde“, die Bestätigung der kompletten Einreisepapiere, in Empfang nehmen.  Im Bereich der Schranke, die den Zollbereich begrenzt, ist noch mal eine Bürobaracke, in der eine s e h r freundliche (unfreundlich war bisher eigentlich niemand) Dame in pinkfarbenem Pulli sitzt und die Zollerklärung für unsere Autos abstempelt. Macht einen ausgesprochen sachlich fitten Eindruck, während die uniformierte Beamtin, die im vorherigen Gebäude die Papiere kontrolliert und genehmigt hatte (siehe Formblatt 2a), ziemlich überfordert schien. War sie auch.  Denn: vermutlich waren unsere Angaben auf Formblatt 2 (Russische Ausführung) korrekt und auch für die Russen lesbar.  Formblatt 2a (Deutsche Ausführung) nix verstehen.  Was zur Folge hatte, das Dimitri Schwab und Stephan Teschner noch mal zurück zur letzten Zollbaracke (die mit der etwas gestressten Zöllnerin) fahren mussten, weil Angaben auf dem Formblatt fehlerhaft waren oder ganz fehlten (Dimitris Autokennzeichen z.B.)  Bei mir fehlte nur das 2.“N“ in meinem Nachnahmen; dass konnte die Dame in Pink verantworten, das selbst mit einem schwarzen Kugelschreiber zu ergänzen.
Und dann war es endlich so weit: unser Konvoi verließ das Freihafengelände in geschlossener Fahrt, und hinter der (letzten) Schranke, die das Hafengelände absichert (Magnetkarte zum Verlassen notwendig!!!) warteten die Mitarbeiter des Petersburger Piter-Lada-Autohauses, um uns sehr herzlich zu begrüßen. Unter Anderem Tatjana, die – unser Eindruck – die gesamte Organisation unserer (insgesamt 2) St. Petersburg-Aufenthalte bewerkstelligte und die wir richtig in unser Herz geschlossen hatten.
Ebenso war die lokale Presse zugegen und begleitete unseren Konvoi einige Strassen weiter zu dem bereits auf uns wartenden Autotransporter, auf den unsere Autos auch gleich aufgeladen wurden. Wir wurden mit einem Kleinbus mitsamt unserem Gepäck zum Park Inn-Hotel gefahren wo wir uns erst einmal frisch machen konnten und uns auf das gemeinsame Abendessen mit den Leuten von Piter-Lada vorbereiteten. Das fand in dem traditionellen Restaurant „Sowjetunion“ statt. Es gab ein mehrgängiges traditionelles russisches Menü, dazu traditionellen russischen Wodka und/oder einen Wurzel-Kräuterwodka mit viel Meerrettich drin und danach starteten wir im Kleinbus zu einer traditionellen Stadtrundfahrt. Wir waren äußerst beeindruckt von dem nächtlich prunkvoll erleuchteten St. Petersburg. Bei einem der Aufenthalte bemerkte ich, dass mich jemand fixierte, und ich sah, dass es sich um einen „Schnellmaler“ handelte, der gerade begonnen hatte, mich zu konterfeien. Da ich kein Geld bei mir hatte, versuchte ich mich entsprechend verständlich zu machen, aber Sergej Rodin, der Chef von Piter-Lada, steckte dem Maler einen Geldschein in die Tasche und ich hatte mein handsigniertes Konterfei!
Nach der Rückkehr ins Hotel nahmen wir an der Hotelbar noch einen Nachttrunk und bemerkten einige mehr oder weniger hübsche junge Damen, die offensichtlich unsere Gesellschaft suchten. Geschäftstüchtige junge Damen offensichtlich. Eine Asiatin trat zwischen Stephan Teschner und mich und fragte: „Sexmassage?“ – Da wir uns an diesem Tag schon genügend massiert fühlten, lehnten wir dankend ab. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Jedes Hotel toleriert nicht nur, sondern bietet generell derartigen „Sonderservice“ an. Na ja, wer’s nötig hat?
 
Mi., 08.10.
Unsere Nivas sind vor dem Hotel aufgereiht, die Presse ist da und macht Fotos von unseren Autos und uns. Nebenan vor dem Hoteleingang dreht – welch Zufall! – ein Filmteam eine Krimi-Szene, in der irgendwelche dunkle Typen von herbeipreschenden Wachleuten verfolgt werden – natürlich in Chevy-Nivas!
Danach Stadtrundfahrt Teil II in unseren Autos als Konvoi durch Petersburg. Ganz schön nervig, bei dem Verkehr kommt es natürlich immer wieder an Ampeln zu Trennungen, aber die voraus fahrenden Leute von Piter-Lada in neuen Lada Largos (Renault-Dacia-Basis) und Dimitri als Zweiter im Konvoi sind aufmerksam und halten immer rechtzeitig an, um auf den abgetrennten Teil des Konvois zu warten. Alles geht gut, und wir stellen unsere Autos auf einem Betriebsparkplatz ab, von wo sie wieder auf dem Transporter ihre Weiterreise nach Nizhny Novgorod antreten werden.
Stephan Teschners Niva gibt seit dem Start von der Fähre ein beunruhigendes Geräusch aus dem Steuerkettengehäuse von sich und bleibt da, in der Hoffnung, dass Piter-Lada das in der Zeit bis zu unserer Rückkehr reparieren kann. Trifft sich gut, weil eines unserer Autos sowieso hätte dableiben müssen, weil der Niva Urban mit auf die weitere Tour gehen soll. Danach ist noch ein Mittagessen im „Truffaldino“ angesetzt, bei dem wir eine junge Dame (24 Jahre jung!) kennen lernen, die dem Petersburger 4x4-Klub angehört (bei dem Sergej Mitglied oder sogar Chef ist?) und die mit ihrem Granta bis zum Ural gefahren ist, ganz allein!
Danach geht’s im Schweinsgalopp zum Bahnhof, wo wir nach flughafenmäßiger Körperkontrolle (Tschtschenien-Attentat!) in den Schnellzug nach Moskau einsteigen. Jeder Waggon mit zugehöriger Begleiterin, flugzeugmäßiger Service an Bord, wir haben 3 Abteile für uns, Abfahrt 15.00 Uhr.  Ankunft in Moskau – nach einer weitestgehend eintönigen fahrt durch Birkenwälder und sumpfigen Tundraebenen - in Moskau um 20.30 Uhr Hotel-Check-In und anschließend gemeinsames Abendessen beim Italiener um die Ecke, lecker und appetitlich, aber mit lautstarker Karaoke-Untermalung und einer total unfähigen Bedienung, was die Rechnungsstellung anging.
 
Do., 09.10.
Um 10 Uhr ruft Dimitri uns “Kanaken“ zur Stadtrundfahrt mit Guide(in) zusammen. Kreml, Roter Platz (heißt sowohl rot oder schön, je nach Auslegung!), der Gum mit seiner tollen Fassade, die wieder errichtete Jesus-Erlöser-Kirche. Unser Toni Kores darf in seiner traditionellen Steirer-Tracht die Kirche nicht betreten, scheinbar hält man die für irgendeine Karnevalskluft. Auch mir wird der Eintritt verwehrt, weil da drin fotografieren nicht gestattet ist und ich für meine Kamera - ebenso wie Ole Jennings - keine Fototasche habe. Macht nix, Kirchen sind innen drin alle gleich protzig, und außerdem… draußen scheint die Sonne.  Ole macht sich auf den Weg zur Rückseite des Kirchenplatzes, um Fotos zu machen.  Als die Truppe nach ca. 10 Minuten wieder erscheint, ist Ole noch nicht wieder da. Auch durch rufen und einen Blick hinter die Kirche ist er nicht zur Rückkehr zu bewegen. Ich habe bereits auf dem Roten Platz Mühe gehabt, ihn – trotz seines auffälligen gelben Anoraks – im Auge zu behalten, da ich ja auch gleichzeitig den Rest der Truppe wieder finden musste. Er ist halt ständig auf der Jagd nach Fotomotiven.
 
Dimitri trifft eine spontane Entscheidung: wir sind knapp in der Zeit und können nicht warten, bis irgendjemand von uns mal wieder eintrifft. Außerdem: alle sind erwachsen, haben eine gewisse Menge Bares bei sich und wissen, wie das Hotel heißt. Also – zurück in den Bus und Abfahrt. Gerade, als der Fahrer sich in den Verkehr einfädelt, steht Ole auf der anderen Straßenseite und blickt suchend um sich. Also in die nächste Seitenstrasse, trotz Halteverbot steigt Dimitri aus und läuft rüber, um Ole abzuholen. Alles okay, kein böses Wort deswegen, weiter geht die Fahrt in die Innenstadt in ein Restaurant, wo es wieder traditionelles Essen (und Wodka) gibt. Ach ja, und das traditionelle Tischgetränk, Most aus Cranberries, gibt es überall zum Essen.  Was es mit der Tradition auf sich hat? Tja, das ist so eine Sache zwischen den Österreichern und den Russen, was bestimmte Eigenarten, eben „traditionelle“, angeht. Ist aber Insiderwissen. Sozusagen nur was für traditionelle Kanaken, die auf Anweisung von Dimitri das Maul halten. Noch Fragen? 
 
Aber weiter. Dimitri ist nicht so ganz glücklich mit unserer Führerin, weil sie immer wieder nur die gleichen Stadtteile anfährt. Wir sehen also nicht allzu viel von Moskau. Nachdem sie sich von uns verabschiedet hat, geht es zurück ins Hotel. Dauerstau auf Moskaus Straßen. Dauer der Rückfahrt über eine Stunde, für vielleicht 5 km.
Dafür geht es abends mit Dimitri als erfahrenem Moskau-Guide noch mal, aber jetzt mit der Metro, ins Zentrum. Er will uns die schönsten und berühmtesten Stationen zeigen, danach steigen wir noch mal hinter dem prunkvoll erleuchteten Gum aus und gehen über den Roten Platz hinunter zur Moskwa-Brücke. Als wir anschließend noch ins Gum reinschauen wollen, ist bereits geschlossen. Aber Stephan Teschner und noch einige andere waren vorher schon drin.  Danach wollen wir noch einen Kaffee trinken. Es ist ziemlich unfreundliches Wetter, nasskalt. Wir laufen ziemlich weit, bis wir was Passendes gefunden haben, und die Bestellung dauert dann auch noch ziemlich lange. Die Zeit wird uns knapp, denn die letzte Metro fährt um 1 Uhr. Wir hetzen zur Station, und wir schaffen es wirklich alles noch rechtzeitig, trotz teilweise doch recht langer Fußmärsche auf den unterirdischen Umsteigebahnhöfen.
 
Fr., 10.10.
Um 10 Uhr hat man mit uns ein Interview geplant. Der Fotograf ist da, und um 10.30 Uhr kommt endlich der Reporter, der das Interview für die Zeitung „Awto-Mip“, (Auto-Mir, so etwas Ähnliches wie die „Auto-Bild“) macht. Er will wissen, was wir am Niva so toll finden, warum wir gerade ein russisches Auto fahren und ob der Niva doch bestimmt nur Zweitwagen ist. Man ist ganz erstaunt, dass die meisten den Niva als einziges Fahrzeug benutzen oder dass teilweise sogar noch ein weiterer Lada in Besitz ist.
Das Ganze drängt mal wieder, denn um 13 Uhr geht unser Zug bereits nach Nizhny Novgorod, unserer 2. Station, wo wir uns wieder für Awtovaz mit unseren Autos präsentieren sollen, und bis 12 Uhr müssen die Zimmerschlüssel des Moskauer Hotels (allererste Klasse!) abgegeben sein.  Dieses Mal fahren wir mit einem Regionalexpress, der Zug macht noch 3-mal Halt, bis wir in Nizhny Novgorod eintreffen. Gegen 18 Uhr kommen wir im „Marins-Park-Hotel“ an. Auf der Fahrt dorthin präsentiert sich die Stadt als ziemlich trostlos, aber vielleicht wird’s ja noch besser und die Stadt liegt immerhin schon ziemlich weit in Richtung Ural.
 
Sa., 11.10.
Dafür haben wir am nächsten Tag im Autohaus „Oka-Lada“ viel zu sehen bekommen. Unsere Autos stehen gewaschen draußen, nur meinem Frontspoiler ist die Waschanlage nicht so gut bekommen. Aber wir kriegen das wieder hin, mit Klebeband und einer Ersatz-Mutter, dann sieht er wieder passabel aus.  Anschließend fahren wir in einem Corso zur Wolga, unterhalb der Zitadelle, zum fotografieren. Als wir zurückkommen, stehen vor dem Gebäude einige neue Fahrzeuge. Da steht neben dem Urban eine weitere Überraschung: ein Elektro-Kalina, der schon recht serienreif daherkommt und immerhin 120 km Reichweite mit einer Aufladung hat. Also als Stadtauto durchaus praktikabel.  Aber auf dem Betriebshof sehen wir ein trauriges Bild: In Russland ist gerade, wie seinerzeit in Deutschland, eine Abwrackprämie eingeführt worden. – Wir sehen viele Autos, Shigulis, 2102, -03, und entsprechende Variationen, kaum angerostet, auch Nivas, die bei uns als Liebhaberstücke für angemessenes Geld Käufer fänden. Fallen alle dem Baggergreifer zum Opfer. Wir mussten es mit ansehen; war schon ziemlich ergreifend.  Danach ging es in die sehr geräumige Verkaufshalle. Sehr hübsche Hostessen in traditioneller Tracht boten Salz und Brot an. Viele neue Modelle waren ausgestellt, natürlich der Urban, auch der Largos, und ein Conferencier pries die Vorzüge und Besonderheiten an. Mit uns wurde ein Wissensquiz veranstaltet, bei dem wir eine ziemlich miese Figur abgaben, weil sich fast alle Fragen um den Niva drehten und kaum einer die richtigen Antworten wusste. Ein „mehrstufiges“ Ballett, bestehend aus 4 quirligen Mädels, unterhielt uns und die anderen Gäste, wir wurden animiert zum Mitmachen und Mitposieren.  Danach gab es ein tolles Dinner mit mehreren Gängen, traditionellen Speisen und traditionellem Most. Und da nahm auch Julia aus Togliatti dran teil, eine nette junge Mitarbeiterin auf verantwortungsvollem Posten. Sie disponiert Lieferung der einzelnen Fahrzeugmodelle nach Typ und Ausstattung in die einzelnen Regionen oder zu den Auslandsvertretungen.
 
Das hat den Toni sehr gefreut. Auf traditionelle Weise gewissermaßen.
Nach dem Essen ein weiteres Highlight: unten stand ein professionell (selbst-)gebauter Buggy mit einem Lada-16Ventiler mit Turbolader, also ordentlich Dampf auf der Achse. Sein Besitzer drehte (im wahrsten Sinne des Wortes) ein paar Runden unter unseren Augen; Mann, der ging verdammt gut!
 
Und dann eine weitere Überraschung: wir fliegen noch am Spätnachmittag nach Moskau zurück, um von da aus nach Togliatti zu fliegen. Da war scheinbar die Planung doch nicht so perfekt zu gestalten, denn es gibt wohl keinen rechtzeitigen Direktflug zwischen Nizhny Novgorod und Togliatti. Und in Moskau kam es noch ein bisschen dicker: der Flug nach Samara/Togliatti hatte fast 2 Stunden Verspätung wegen technischen Defekts. Okay, besser am Boden als in der Luft, oder?
 
Ein Kleinbus mit deutlich hörbarer Schaltung bringt uns vom Flughafen Samara ins 30 km entfernte Togliatti, und gegen 12:45 Uhr treffen wir im Amaks Park Hotel ein. Das übliche traditionelle Procedere mit Pass abgeben und dafür den Schlüssel erhalten. Das Hotel ist nicht DER Standart der bisherigen Hotels, in denen wir untergebracht waren, aber vermutlich war nix anderes frei. Also Gepäck schultern, übern Hof, Treppe rauf (Jaaa, andere hatten mehr Glück, Die konnten mit dem Lift aufs Zimmer fahren) und rein ins Zimmer. Raus aus dem Parka, Kulturtasche aufmachen und mal Hände waschen. Das war aber eine Überraschung. Linker Wasserhahn: kaltes Wasser.  Rechter Wasserhahn: Ganz kaltes Wasser. Ich denke mir: geht auch mal so, habe ja heute Morgen in Nizhny Novgorod noch mal geduscht, wird dann wohl morgen geregelt sein, also melde ich den Defekt am
 
So., 12.10.
an der Rezeption in der Hoffnung, dass sich da jemand drum kümmert. Bevor ich ins Bett gehe befinde ich mich Aug’ in Aug’ mit einem sechsbeinigen Tier an der Wand gegenüber. Das scheinbar das alte: „Wer guckt als Erster weg- Spiel“ mit mir spielen will. Um die Zeit habe ich keine Lust mehr zum Spielen und erlege meinen Gegner, indem ich eine Papierserviette auf ihn drücke. Damit das Hotelpersonal sieht, dass sich da noch andere Gäste im gleichen Zimmer wie ich aufhalten, die keine Miete zahlen, lege ich die Serviette neben dem Bett aufs Nachtschränkchen.
 
Um 10 Uhr geht es zum Ladahaus Togliatti, wo bereits unsere Autos in Reih und Glied stehen und von Passanten, Besuchern und Presseleuten begutachtet werden. Der Diesel in meinem Bensmann-Niva interessiert natürlich besonders, wie überall, denn Diesel-Pkw gibt es in Russland so gut wie gar nicht. Wäre in den kalten Wintermonaten ja auch äußerst unpraktisch. Außerdem sind die in den Seitenscheiben angebrachten Fotos vom Wohnmobil natürlich auch interessant, denn ein 3-achsiger Niva ist sogar in Russland mit den unzähligen Modellvarianten, die bei uns völlig unbekannt sind, ein Hingucker. Auch Dimitris weißer Niva wird bestaunt. Edel zurechtgemachte Nivas sind in Russland eher selten. Wir werden in den Schauraum geführt, wo ein Kalina Sport steht. Schönes Auto, 110 PS, Chiptuning bis 150 PS möglich, hinten Scheibenbremsen; schön gestaltetes Interieur. Hat aber einen großen Fehler: das Auto wird in Deutschland nicht angeboten werden. Angeblich kein Markt dafür. Wir Niva-IGler haben dazu unsere eigene Meinung, aber wir haben auf solche Entscheidungen eh’ keinen Einfluss. Danach dürfen wir uns in der Werkstatt umsehen: klein, aber perfekt und sauber, Naturstein-Mosaikboden, Kunden-Empore mit Kaffee- und Getränkebar und der Möglichkeit, der Reparatur seines Autos von oben zuzusehen und eventuell einzugreifen. Letzteres ist durchaus notwendig, wie sich später noch zeigen soll. Danach gibt es wieder einen Niva-Corso durch Teile von Togliatti und zur Wolga zum Fotografieren. Bisher ist ja mit unseren Autos nix Besonderes passiert. Das war doch nicht alles, oder?
 
Zurück mit dem Fahrzeugcorso. Es gibt einige Unterbrechungen - Ingo Jergens fährt ziemlich vorsichtig und verliert ab und zu den Anschluss und damit auch die 2 oder 3 Nivas hinter ihm. Aber dann geht es doch etwas zügiger, und bald darauf biegen die ersten Fahrzeuge in ein Wäldchen ab. Jetzt wird’s doch noch interessant. Der Weg ist äußerst kurvenreich und teilweise recht „Nivamäßig“ beschaffen, und die ersten 4 Nivas, der Urban vorneweg, brettern da ganz munter durch. Was zur Folge hat, dass Ingo irgendwann im Wald an einer Gabelung steht und wir alle nicht mehr wissen, wo die anderen hingefahren sind. Aber: da geht ein steiler Hohlweg links runter. Der ist doch speziell für uns angelegt, oder? – Gut, auch für andere Offroader zu gebrauchen, aber schließlich sind ja WIR jetzt da. Weil dieser Weg kurvig ist und der erfahrene Offroadfahrer nicht einfach irgendwohin fährt, von wo es möglicherweise kein Vor und Zurück mehr gibt, schauen wir mal ein zu Fuß paar Meter da hinunter. Ja das glaubst du nicht: da tut sich doch ein riesiger Niva-Spielplatz am Wolgastrand für uns auf. Und die Abfahrt da runter – wie geschaffen für uns.
 
Also: Untersetzung rein, Diffsperre einschalten und runter. Schön im Leerlauf, kein Gas, keine Bremse, einfach rollen lassen.
 
Christoph Jergens steht schon weiter unten, zu Fuß, um zu fotografieren, wie wir uns da runterschlängeln. Plötzlich halt, der Erste, der da runterfuhr, hatte plötzlich doch Bedenken und versuchte, rückwärts wieder hoch zufahren. Das ging aber nicht, weil 3 andere Autos bereits hinter ihm standen. Also Augen zu und durch. Und das ging prima, obwohl die ersten 2 oder 3 Autos auf den letzten Metern doch ein wenig Grip verloren und zu rutschen begannen. Lag bestimmt am Straßenprofil, nicht jeder hatte schließlich die geländegängigen Dreckfräsen drauf. Alles ging gut, auch der Urban kam gut an. Denn die anderen, die uns verloren hatten, kamen teilweise zurück und fuhren auch da runter. Uns hatten sich auch einige Samara-4x4-Klubmitglieder angeschlossen, so war da ein bunt gemischter Haufen von Fahrzeugen. Und für uns gab’s nichts Schöneres, als am Strand entlang durchs Wasser zu brettern und unsere Autos stilgerecht mit Wolgawasser zu taufen. Die Gläser meiner Nebellampen mussten bei den Wasserdurchfahrten dran glauben (heiß, kaltes Wasser drauf, paff). Einer der Samara-Klub-Fahrer regelte sein Diff beim Versuch, mit etwas zuviel Drehzahl den Hohlweg wieder zu erklimmen, aber so was passiert eben und gehört irgendwie auch dazu. Zwischenzeitlich hatten Dimitri und Uwe Nebelung den Mut, ein echtes Wolgabad zu nehmen und im Wasser das Lada-Banner zu entfalten. Hielten es aber nicht lange drin aus, es war doch saukalt. Trotzdem mutig!
 
Dann ging es irgendwann zurück, an einer anderen Stelle etwas weiter wolgaaufwärts war eine flachere Auffahrt. Abendessen geplant mit W. Cherkashin, dem Marketing-Direktor von Awtovaz in einem Restaurant nahe der Pferderennbahn, sehr traditionell, zusammen mit Julia. Aber zuerst ins Amoks-Hotel, bisschen frisch machen und umziehen. Also Treppe rauf, rein ins Zimmer, Badezimmer, - halt mal, ich sehe, dass meine Jagdbeute noch genau so da liegt, wie ich sie am Morgen verlassen habe. Ich ahne Schlimmes. Also erneuter Versuch: linker Hahn aufgedreht, - kalt. Vielleicht seitenverkehrt? – Rechter Hahn aufgedreht, - ganz kalt. Okay, der Koffer ist schnell gepackt, holterdiepolter, Treppe runter, zur Rezeption und erneut reklamieren. In Nullkommanix hab ich – dank Dimitris Hilfe – ein neues Zimmer MIT warmem (und kaltem) Wasser. Wie es sein soll. Diesmal sogar mit Lift. Na, geht doch. Also schnell umziehen und ab zum Bus.
 
Zum Abendessen trafen wir uns in einem Restaurant in Nähe der Pferderennbahn zum letzten Abendessen in Togliatti mit dem VKL, natürlich wieder sehr traditionell, zumal auch Julia mit von der Partie war. Saß nur leider nicht neben Toni, sondern schräg gegenüber neben Olaf Vogel. Hat sich sehr gefreut über seine Tischnachbarin. 
Und dann kam die offizielle Einladung zum Werksbesuch am nächsten Tag.
 
Mo., 13.10.
Ganz früh morgens erst mal zum Lada-Automuseum. Das ist von der Fahrzeugausstattung recht überschaubar, die Besonderheiten sind wohl der erste in Togliatti gefertigte Shiguli, ein Samara, der mit den Namen aller (damals) im Werk angestellten Mitarbeitern beklebt ist, der neue Revolution-Sportwagen, ein Niva, der jahrelang am Südpol seinen Dienst tat und aufgrund der Kälte entsprechend aussieht, ein Chevy-Niva Pickup mit Turbodiesel, ein E-Car namens „Elf“ im Smart-Format, der immerhin 300 km Reichweite (!!!) hat, ein von Putin handsignierter Kalina Sport, in dem er selbst 250 km zurücklegte. Wir schrieben uns ins Gästebuch ein und danach ging es endlich rüber ins Werk.
 
Das war wie Weihnachten und Neujahr zusammen. Wir durften diverse Fertigungsbereiche und Produktionsstraßen wie die vom Priora und Kalina, aber auch die von Chevy-Niva, Nissan Almera oder dem Lada Largos sehen. Gegen 12:00 Uhr mittags waren wir durch, im wahrsten Sinn des Wortes. Wir konnten nichts mehr Aufnehmen; waren regelrecht erschlagen von der Flut der Dinge, die da auf uns einstürmte. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, ging es danach zum Lada-Verwaltungsturm mit seinen 24 Stockwerken und dem weithin sichtbaren rotierenden Lada-Logo auf der Dachfläche. Der Lift brachte uns hinauf zur 24. Etage, von wo aus wir einen herrlichen Blick auf die gesamten Werksanlagen und die dahinter sich ausbreitende Stadt genießen konnten. Wäre das Wetter weniger dunstig gewesen, dann hätten wir bis zu den ersten Ausläufern der Shiguli-Gebirgskette und zum Wolgabogen sehen können. So reichte der Blick in manchen Richtungen nicht einmal bis an die Grenzen des Werksgeländes! Für uns war bereits ein Tisch für ein nach russischer Tradition gestaltetes Mittagsmenü eingedeckt, an dem auch Wladimir Cherkashin, Julia und ein weiterer Verkaufsleiter teilnahmen.
 
Danach kam das für uns absolute Highlight: Es ging noch mal ins Werk, in die Heiligen Hallen der Niva-Fertigung!  Wir durften die Produktion unserer Autos anschauen. Besser gesagt anfassen und zwischen den Bändern herumkriechen. Wir konnten die Niva-Fertigung fast lückenlos vom Beginn des Montagebands über die Aggregatmontagen bis zur Endkontrolle und Hallenausfahrt verfolgen. Und was wir bisher nicht wussten: die 5türigen Nivas und deren Abwandlungen (z.B. ein toller KingCab-Pickup!) werden in Togliatti von Hand zusammengebaut. Das ist Hand-Made in Russia!
 
Da schwirrte den meisten von uns der Kopf. Und als wir danach wieder im Verwaltungsturm zu Manöverkritik und Brainstorming eingeladen wurden, waren wir erst mal ziemlich sprachlos. Erst als Cherkashin einige sehr kritische Ansichten über die weitere Entwicklung von Awtovaz verkündete, kamen doch von unserer Seite Fragen und auch Vorschläge. Natürlich in erster Linie zum Niva. Bei der Besprechung waren auch Alexander Porjadin und Olga Schotalowa zugegen.
 
Das alles muss man mal einem vom Golf-, Kadett- oder Audi-TT-Club erzählen. Und dass wir mit dem Verkaufsleiter am Konferenztisch saßen, oder dass der Präsident Bo Andersson unser diesjähriges Clubtreffen besucht hat. Da geht denen vor Neid die Hose auf!!!
 
Am Abend gab es noch einen kurzen Abstecher zum nahe gelegenen Militärmuseum -, einem Freilichtmuseum mit außer Dienst gestellten Flugzeugen, Hubschraubern und Militärfahrzeugen der russischen Armee, aber auch teilweise zivilen Sonderfahrzeugen. Aber so richtig bei der Sache waren nur wenige. Lediglich Dimitri ließ es sich nicht nehmen, einige der Flugzeuge zu entern.
Zum „Letzten Abendmahl“ in Togliatti trafen wir uns in einem nahe beim Hotel gelegenen Velia-Restaurant mit italienischem Flair, angenehmer Atmosphäre und Karaoke (Im Keller!!!), aber diesmal fähiger Bedienung.
 
Di., 14.10.
Gegen 8 Uhr Ortszeit verabschiedeten wir uns von W. Cherkashin und A. Porjadin vor dem Hotel. Dann startete der Bus mit uns in Richtung Samara Airport. Kurz vor Mittag trafen wir in Petersburg ein und wurden im Petro Palace Hotel im Stadtzentrum untergebracht. Am Nachmittag wurden wir von Piter-Lada noch zu einer Besichtigungstour per Newa-Touristenboot, mit Pizza, Cola und Wodka, eingeladen und konnten diesmal die schönsten Stadtansichten vom Wasser aus bestaunen.
 
Mi., 15.10.
Heute Vormittag musste uns der von Piter-Lada bereitgestellte Kleinbus erst einmal zu einem Kinderheim fahren. Wir haben spontan beschlossen, uns für die Einladung nach Russland mit einem kleinen „Dankeschön“ zu revanchieren und eine Geldspende für eine soziale Einrichtung gesammelt. So kamen 750 Euro für ein Kinderheim zusammen. Es wären vielleicht andere Heime bedürftiger gewesen, aber dieses hervorragend ausgestattete Heim war als Einziges bereit, uns zu empfangen, und auch hier war unsere Spende ganz sicher an der richtigen Stelle untergebracht.
 
Danach durfte uns der Busfahrer zu diversen Lada-Teilehändlern kutschieren, bis sich alle mit den Ersatzteilen versorgt hatten die auf der ganz privaten Einkaufsliste standen. Danach noch zum Supermarkt, um Wodka, Kaviar, Sekt und russische Schokolade einzukaufen – ja, dann war man so ziemlich komplett. Fehlten nur noch unsere Autos. Gegen 15:30 Uhr standen wir an dem bekannten Betriebshof, wo wir vor uns 8 Tagen zum ersten Mal von unseren Autos verabschieden mussten. Was war aber in der Zwischenzeit mit Stephan Teschners Auto passiert? Nix! Sein Niva stand noch immer, unrepariert, mit dem defekten Steuerkettenspanner da. Na ja, immerhin sollten ihm die benötigten Ersatzteile noch gebracht werden.  Wie schon Dimitri sagte: wenn da keiner dahintersteht und dafür sorgt, dass was geschieht, dann passiert da auch nichts. Immerhin konnte Stephan mit dem Auto fahren, bei höherer Drehzahl läuft der Motor ruhig.
 
Und dann ging’s zum Freihafengelände.  Wir stehen vor der Schranke, die den Freihafen abtrennt und warten auf die Teile für Stefan. Gegen 16:30 uhr ist dann auch jemand von Piter-Lada da und bringt die Teile. Danach herzlicher Abschied von Tatjana, die uns die ganze Zeit in Petersburg so herzlich betreut hatte.
 
Und dann starten wir endgültig.  Wird ja diesmal alles gut gehen? Die ersten fahren durch, die Kontrolle dauert etwa 5 Minuten pro Auto, eine flüchtige Kofferraumkontrolle und die Prüfung des Reisepasses, dann Weiterfahrt. Wenn’s weiter nix ist… Dann bin ich dran, als Vorletzter, nach mir kommt nur noch Toni.  Und ich muss rechts ranfahren, irgendwas ist nicht in Ordnung. Hektisches Wühlen in irgendwelchen Papieren, mein Pass wird durchblättert, aber keiner sagt mir, was los ist. Dafür interessiert man sich wieder für mein Auto. Toni wird zwischenzeitlich abgefertigt, hält aber noch mal neben mir an und gibt mir sein Sprechfunkgerät, damit ich ggf. Bescheid sagen kann, falls es was wirklich Ernstes ist. Nach 20 Minuten erfahre ich endlich, wo das Problem ist: ein Zahlendreher meiner Passnummer auf einem der russischen Kontrollformulare -, 18 statt 81 Endnummer - das bedeutet, für die Russen bin ich nicht ich, sondern irgendwer Anderes. Wat nu? Erstmal beginnt man sich, wie üblich, für mein Auto zu interessieren. Nach 20 Minuten endlich kommt jemand vom Hauptzollamt und meint, es käme alles in Ordnung, ich solle seinem Auto hinterherfahren. Der Nächste Halt ist dann an der Schranke des eigentlichen Zollbereichs. Und da werde ich problemlos – diesmal als Erster, die anderen der IG-Truppe kommen mir nach – durchgewunken. Dann wieder an der unseligen Zollbaracke halten, bei der bei der Einreise der Computer streikte. Ich kann zunächst in aller Hektik nicht meine Fahrzeug-Einfuhrbescheinigung finden, aber dann fällt mir doch noch ein, wo ich sie hingesteckt habe. Alles in Ordnung, wir dürfen auf die Fähre, diesmal die „Finnclipper“. An Bord sind außer uns noch höchstens 6 weitere Passagiere, und auf dem Fahrzeugdeck befinden sich neben unseren Nivas nur noch 3 andere Pkw und einige Palettencontainer. Zudem ein LKW mit, wie wir noch erfahren, Ausstellungsmaterialien für eine Wissenschaftsmesse. Dessen Begleiterin hatte ihr Visum um einen Tag überzogen. Letztendlich muss sie unter Begleitung dreier russischer Zollbediensteter das Schiff verlassen.
 
Um 18:30 Uhr legt die „Finnclipper“ ab und nimmt Kurs auf die Ostsee. Nach 2 Tagen bereits sollen wir wieder in Travemünde anlegen. Für uns beginnt eine recht eintönige Zeit. Ein Besuch auf der Brücke am 
 
Do., 16.10.
bringt wenigstens ein bisschen Abwechslung, ansonsten verbringen wir die Zeit mit Entspannen, abends sitzen wir zusammen und lassen das Erlebte noch mal Revue passieren, Wodka hilft der Erinnerung auf die Sprünge, 60 Flaschen etwa sind nach Schätzung Christoph Jergens vernichtet worden. Und am
 
Fr., 17.10.
legen wir bereits um 16:30 Uhr in Travemünde an. Nach der Zollpassage (ohne Probleme) halten wir noch mal kurz an, um die uns vom Autohaus in Togliatti geschenkten Anoraks der Größen wegen auszutauschen. Ein kurzer Abschied noch, dann geht’s auf die Bahn. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen Ole und ich um 23:30 Uhr Goch. Für Ole heißt es nun „Gepäck umladen“, und nach einer Tasse Kaffee macht auch er sich auf die Achse in Richtung Bonn.
 
Alle bis auf Jens, der leider einen Keilriemenschaden hatte, haben ihre Domizile wieder unbeschadet erreicht.
 
Und für uns steht fest:  Awtovaz hat uns mit dieser Reise und dem Besuch im Werk ein unvergessliches Geschenk gemacht!
 
Wir waren, so unterschiedlich vom Alter oder wie auch immer zusammengesetzt, eine tolle Truppe!
 
Wir möchten an dieser Stelle nochmals unseren Dank an alle diejenigen richten, die das ermöglicht haben!
 
DANKE!