Als Marina und ich, vor mehreren Jahren einen Video über Island sahen stand für uns fest: da müssen wir auch einmal hin! Aufgrund der familiären und beruflichen Umstände dauerte es zwar ein wenig, aber die Faszination ließ die nächsten Jahre nicht nach.

Die Planung begann Anfang 2007, das Fahrzeug stand ja fest: unser 2006er Niva mit OME Fahrwerk und BF Goodrich MT Reifen erschien uns bestens gerüstet, aber alles weitere musste noch geklärt werden: wie lange fahren wir? Wie übernachten wir? Hotel? Zelt? Dachzelt oder Wohnwagen? Wir sind zwar im Besitz eines Wohnwagens, aber der erschien uns nicht handlich genug um diese Strecken zu absolvieren; gegen Hotels hab ich eigentlich eine Abneigung; das Zelt und das Dachzelt erschien uns dann bei eventuellen Dauerregen und möglichen Temperaturen um den Gefrierpunkt auch nicht gerade einladend und so fiel unsere Wahl auf einen kleinen handlichen Wohnwagen namens Puck.

 

Unser Gespann: Niva 1,7 Bj. 2006 und Puck Bj. 2007

Im November 2007 legten wir dann unseren Zeitrahmen für den Urlaub fest und buchten über ein Reisebüro die Fähre: Abfahrt in Hanstholm (Dänemark) am 26.Juli 2008 . Danach mussten noch die „logistischen“ Dinge erledigt werden, wo bringen wir den Sprit unter, denn ohne Reservekanister werden wir wohl nicht auskommen, wie verstauen wir die Campingmöbel, die Kleidung, das Werkzeug, den Proviant und das Bergematerial. Wir entschieden uns, zwei 20 l Benzinkanister auf einem Dachträger zu transportieren, hier bot sich noch an, seitlich eine kleine Schaufel zu befestigen.

Im Innenraum musste die hintere Sitzbank weichen um Platz für 2 Alukisten zu schaffen, welche mit Spanngurte an den Befestigungspunkten der hinteren Gurtpeitschen festgezurrt wurden.

Campingtisch und Stuhl passten zwischen die beiden Kisten, somit war alles an Bord und wir startklar. Eine Probetour mit unserer Islandausrüstung ging im Juni 2008 nach Lauchhammer zum 10. Internationalen Nivatreffen, bei der alles noch mal getestet, angepasst oder bei Bedarf geändert wurde.Die nächsten Wochen wurden mit dem Studieren von Island Reiseführern verbracht, denn wir wollten unseren Aufenthalt möglichst effektiv gestalten; d.h.

Auf der einen Seite viele Highlights sehen, auf der anderen Seite natürlich auch einige Hochlandpisten unter die Stollenreifen nehmen und so nahm unsere Streckenplanung langsam aber sicher die Form an, welche alle unseren Ansprüchen gerecht wurde. Auf Island gibt es eigentlich nur eine „Hauptstrasse“, dies ist die Ringstrasse Nr. 1 und meist asphaltiert, die meisten anderen Strecken sind Schotter/ Sandstrassen oder eben Pisten.

Am 22.07.2008 fuhren wir dann von Ismaning Richtung Dänemark los, wir hatten so noch ein paar Tage für die Anfahrt zur Fähre Zeit und mussten nicht zum Abfahrtstermin hetzen.

Mit ein paar Übernachtungen dazwischen kamen wir am Samstag, den 26.Juli im 1350 km entfernten Hanstholm an und mussten nun auf das Einchecken zur Fähre warten. Schon der Anblick der hier wartenden Fahrzeuge ließ einem Offroad Fan das Herz höher schlagen: von Geländewagen aller Fabrikate in sämtlichen Ausbaustufen bis hin zum HighTech- Allradwohnmobil war hier alles vertreten.

Alles wartet auf die Fähre...

Um ca. 18 Uhr konnten wir einchecken und wurden auf unseren Warteplatz in langen Schlangen verwiesen, um auf Anordnung in das Schiff zu fahren, welches kurz nach 18.15 Uhr in Hanstholm anlegte und wir nun erst mal das Entladen beobachten konnten. Leo, der diese Reise eigentlich mit einem Niva machen wollte, dann aber leider umdisponieren musste, war an Bord des Schiffes und hatte seinen Islandaufenthalt bereits hinter sich. Als er von Bord fuhr, gab es erst mal etwas Smalltalk. Dieser wurde dann aber leider durch die Anordnung, wir sollten an Bord fahren jäh unterbrochen.

Der Aufenthalt auf der Norröna erwies sich als äußerst komfortabel. Denn das Wetter spielte gut mit und die vielen Restaurants, die Cafeteria, Casino, Supermarkt usw. ließen die 2 Tage

Fahrt auf die Faröer Inseln schnell vergehen. Auf den Faröer empfingen uns am Montag dicke Wolken und Nieselregen; wir nutzten aber die 2 Tage Aufenthalt hier mit der Erkundung dieser grünen Inseln, auf denen es ein Vielfaches Mehr an Schafen als Einwohner gibt. Wir fanden auch einen abgelegenen, ruhigen Campingplatz in Selatrad im Süden der Insel Esturoy. Hier steht man direkt am Meer in idyllischer Lage und die Hütte mit Dusche und WC ist neu erbaut nachdem der letzte Wintersturm die alte „abgerissen“ hat.

Der sympathische Betreiber fuhr 40 Jahre zur See, spricht sehr gut deutsch und bessert so sein Einkommen im Ruhestand auf.

Traumhaft idyllischer Campingplatz auf den Färöer Inseln

Am Mittwoch ging es am späten Nachmittag wieder an Bord der Norröna, welche in der Zwischenzeit im norwegischen Bergen weitere Passagiere Richtung Island abholte. Nur noch 1 weiterer Tag Überfahrt sollte uns von unserem „Traumziel“ Island trennen und so konnten wir es kaum erwarten dort anzukommen. Am Donnerstag war es dann soweit, wir legten mittags in Seydisfjördur auf Island an und nach den Einreiseformalitäten konnten wir endlich den Hafenbereich verlassen.

Der erste Weg führte uns zur nächsten Tankstelle, dort füllten wir unseren Tank und auch die beiden Kanister auf, die zur Fährfahrt leer sein mussten. Die Freude war groß, als ein weißer Niva mit isländischen Kennzeichen an der Tankstelle vorbeifuhr.

Wir wussten, dass es vor 10-15 Jahren sehr viele Nivas auf Island gab, aber war es noch immer so? Wir werden sehen...

Danach ergänzten wir noch unsere Vorräte im Supermarkt und machten uns auf den Weg

Richtung Egilsstadir, wo wir die ersten beiden Tage bleiben wollten.

Die Strecke dorthin war extrem neblig, die Sichtweite maximal 50 Meter und wir hofften insgeheim doch mal auf besseres Wetter, um diese bestimmt sehenswerte Insel noch mehr genießen zu können.

Die Fahrt nach Egilsstadir in dichtem Nebel

Am darauf folgenden Freitag nahmen wir die ersten Hochlandpisten in Angriff, zunächst die F309 zur Snaefell-Hütte und danach über die F310 zurück zum Campingplatz. An den isländischen Straßenbezeichnungen erkennt man gleich deren Beschaffenheit, so sind alle Strassen mit einem „F“ in der Bezeichnung Pisten, welche ausschließlich für Geländewagen zu befahren sind.

Die isländischen Geländewagen haben meist gigantische Reifendimensionen zwischen 35 und 44 Zoll montiert!! Da ist es dann wohl fast egal, ob die Furt 70, 80 cm oder noch tiefer ist. Glücklicherweise machte uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung und ließ herrliche Blicke auf die Berge zu. Tanken sollte man, wenn die Möglichkeit besteht, das Tankstellennetz ist nicht so ausgebaut wie hier gewohnt. Sehr viele Tankstellen sind hier ohne „Kasse“; sprich nur mit Kartenautomat. Diese funktionieren ausschließlich mit Kreditkarte und PIN. Vor dem Tanken muss man einen Maximalbetrag eingeben, um ein gewisses Limit nicht zu überschreiten. Die Benzinpreise sind mit den deutschen Spritpreisen vergleichbar, bei allem anderen kann man auf die hier gewohnten Preise 20 bis 30 Prozent aufschlagen. Also: Island ist ein relativ teures Reiseland, aber jeden Cent wert.

Typische Isländer

Im Hintergrund: Der Berg Snaefell

Auf dieser Strecke mussten wir auch die ersten Furten meistern, die waren hier zwar nicht allzu tief, dennoch war fließendes Gewässer zu durchqueren etwas anderes als stehendes, welches wir bei diversen Gelegenheiten bereits kennen lernen durften. Die Landschaften

erinnerten uns tatsächlich an „Herr der Ringe“, aber statt Horden von Orks begegneten uns dann doch nur Schafe, Rentiere und ein kleiner Polarfuchs

Bei der Heimfahrt mussten wir dann einen ca. 20-25 m breiten Fluss überqueren, bei der man vom Ufer leider nicht abschätzen konnte, wie tief die Furt ist.

Dazu kam, dass weit und breit auch kein anderes Fahrzeug hier unterwegs war. Also auf Nummer Sicher...das hieß in diesem Fall kurze Hose und Badeschuhe anziehen und erst mal zu Fuß durch und Lage checken...zu diesem Zweck haben wir uns einen Watstock präpariert und auf diesem 2 Markierungen angebracht: eine grüne in 70 cm Höhe und eine rote in 75 cm Höhe. Also mehr als 75 cm Wassertiefe wollte ich uns und dem Niva nicht zumuten. Aber dieser Fluss kam auch in der Mitte kaum auf 40 cm, also war die Durchfahrt kein Problem. Das Durchwaten war dennoch kein großes Vergnügen, denn die isländischen Gletscherflüsse werden auch im Hochsommer nicht wärmer als 4-5 Grad.

Im Hochland...einfach phantastisch schön!

Die Pisten waren ansonsten recht gut passierbar, nur streckenweise zwang uns extreme Wellblechpiste zur vorsichtigen Fahrweise, denn durch den kurzen Radstand des Niva und das „Überfliegen“ der Wellen kam der Niva manchmal ganz schön quer und wir drifteten förmlich durch die Kurven. Am nächsten Tag zogen wir weiter zum nächsten Campingplatz, nach Mödrudalur, mit 650 m über dem Meer der höchste bewirtschaftete Hof auf Island.

Hier empfing uns strahlender Sonnenschein und eisiger Wind. Von hier aus besuchten wir Europas mächtigsten Wasserfall, den Dettifoss, dessen Wassermassen fast 50 Meter in die Tiefe stürzen und Gischt die ganze Schlucht füllt.

Europas mächtigster Wasserfall: der Dettifoss

Vom Parkplatz aus führt ein gut angelegter Wanderweg direkt zur Kante des Wasserfalls. Schon ein beeindruckender und imposanter Anblick. Danach fuhren wir noch nach Asbyrgi, einer riesigen markanten Felsformation in Hufeisenform, welche angeblich durch einen Hufabdruck von Odins Pferd entstand. Am nächsten Tag stand die Strecke Richtung Askja, die F88 auf dem Programm. Hier mussten wir ziemlich tiefe Furten durchfahren und es durchschüttelte uns stundenlang ordentlich.... ganz nach meinem Geschmack! Die Furten durchfuhren wir generell im 1.Gang untersetzt mit eingelegter Sperre. Vor den meisten Furten standen Schilder mit Hinweisen, wie man diese Flüsse am sichersten zu queren hat, meist in einem leichtem Bogen zunächst flußab- und dann aufwärts. Ab einer gewissen Wassertiefe und Strömungsgeschwindigkeit merkt man dann schon einen immensen Widerstand und man muss ordentlich Gas geben. Beim Furten nie schalten, kuppeln oder stehen bleiben! Außerdem muss man alle elektrischen Verbraucher ausschalten (Licht!).

Zwischen Lavafeldern und Steinwüsten fährt man zum Herdubreid, einem markanten Berg im Hochland.

Vor dem Herdubreid

Die Einfahrt zur F88

Der weitere Weg führte uns am Kraflakrater und am Myvatn (auf deutsch: Mückensee) vorbei zum nächsten Highlight, den Wasserfall Godafoss und anschliessend daran die nächste Hochlandpiste, den berüchtigten Sprengisandur F26, von dem aus man gigantische Ausblicke auf die Berge und Gletscher hat.

Der Name stammt übrigens aus der Zeit, als Reiter, um möglichst schnell diese karge und sturmgeplagte Hochebene zu durchqueren, über diese „Sandpiste sprengten“.

„Ritt über den Sprengisandur“

Auf der Weiterfahrt besichtigten wir die Orte Husavik, Akureyri und Borganes. Von hier aus umrundeten wir auch die Halbinsel Snaefellsnes mit dem Gletscher Snaefellsjökull und den vielen teilweise skurril geformten Vogelfelsen, bevor es weiterging in Richtung der nördlichsten Hauptstadt der Welt: Reykjavik. Wir quartierten uns dort auf dem zentral gelegenen Campingplatz ein, konnten so tagsüber Ausflüge zu Pingvellir, einer Schlucht, die jährlich durch den Drift der europäischen und amerikanischen Kontinentalplatte fast 2 cm breiter wird, zu Geysir mit dem berühmten Strokkur und zum Wasserfall Gullfoss machen und abends zu Fuß die Stadt erkunden. Interessant ist auch, dass die Gehwege und Strassen in Reykjavik über eine Bodenheizung verfügen; d.h. im Winter wird Wasser aus heissen Quellen durch ein Leitungssystem geleitet und somit die Strassen eisfrei gehalten. Mit der gleichen Technik werden hier auch die meisten Häuser und ein kompletter Badestrand im sonst eisigen Atlantik geheizt. Des weiteren fuhren wir noch die Halbinsel Reykjanes ab, mit der berühmten blauen Lagune, einem von warmen Quellen beheiztem Freibad.

Phantastische Felsformationen und Vogelfelsen an der Westküste

Der „Strokkur“ schleudert regelmäßig im Minutentakt heißes Wasser bis zu 20 Meter hoch

Die blaue Lagune...ein beliebtes von der Natur beheiztes Freibad!

Das nächste Etappenziel war Landmannalaugar, das „Bad der Männer vom Land“: Heisse Quellen eingebettet in braunrot-schwarze Berge und erreichbar über die Piste F208.

Furt vor Landmannalaugar

Nach einer Übernachtung im Gletscherpark Skaftafell erreichten wir den Gletschersee Jökulsarlon, indem die Eisbrocken, welche von Europas größtem Gletscher Vatnajökull abbrechen, ins Meer schwimmen.

Übernachten zwischen Gletscherzungen in Skaftafell

Der Gletschersee Jökulsarlon

Über die Ringstrasse ging es weiter nach Djupivogur, an wundervollen Fjorden und Buchten entlang wieder Richtung Egilsstadir, wo wir die letzte Nacht auf Island verbringen sollten.

Mit sehr viel Wehmut machten wir uns am Folgetag wieder zur Abfahrt bereit und fuhren exakt 15 Tage nach der Ankunft wieder in Seydisfjördur auf die Norröna, welche uns in 2 Tagen nach Dänemark bringen wird.

 

Die Norröna, eine komfortable, moderne und sichere Fähre

Abschließend sei erwähnt, dass das Wetter während unseres Aufenthalts ideal war, wir haben unsere Regenjacken und –hosen gar nicht benötigt- wir hatten keinen einzigen Regentag! Die Temperaturen lagen tagsüber zwischen 12 und 17 Grad, nachts zwischen 4 und 10 Grad. Wir waren etwas über 4 Wochen unterwegs und haben in dieser Zeit ca. 7000 km mit dem Niva zurückgelegt. Davon ca. 5000 mit Hänger und knappe 1000 km auf Sand/ Schotter oder Wellblechpisten. All dies meisterte unser Niva mit Bravour und ohne das kleinste Problem! Keine Birne musste ersetzt und kein Reifen gewechselt werden. Überhaupt sah man mehr Nivas als in Deutschland; an manchen Tagen zählten wir 9 Stück! Ein Isländer erzählte uns, die Sowjetunion zahlte früher, mangels Geldmittel mit Naturalien, unter anderem mit Autos und so war vor geraumer Zeit der Lada Niva auf Island sehr häufig zu finden, Mittlerweile jedoch hat die Konkurrenz aus Fernost und England bei weitem die Übermacht und die kleinen Russen verdrängt. Obwohl wir schon einige Male im Norden unterwegs waren hat Island alles bisher erlebte übertroffen. Diese Insel aus Feuer und Eis zieht jeden in seinen Bann und hier besteht allerhöchste Suchtgefahr:

Auf Wiedersehen, Island!