Endlich war es wieder so weit. Am 17.04.04 fand der erste Lauf zur Off Road Meisterschaft statt. Nach einem langen Winter und vielen, vielen Stunden Schraub- und Schweißarbeit bis kurz vor knapp, hatten wir (Marian, Lionel) unsere Nivas wieder einsatzfähig gemacht. Leider blieb nicht viel Zeit für Probefahrten, was sich im Laufe des Rennens zumindest bei mir als größeres Problem heraus stellte.

Aber dazu später mehr.

 

Wie immer trafen wir uns am Freitag an der A 9 auf dem Rasthof Hermsdorfer Kreuz. Von dort aus fuhren wir die letzten ca. 100 km zusammen. In Tollwitz angekommen, wir waren mal wieder fast die ersten, bauten wir unsere Schlafgemächer auf und gingen zum gemütlichen Teil über. Auch dieses Jahr wurden wir von unseren Fans nicht enttäuscht. Schon am Freitag reisten einige an. Der Rest kam am Samstag morgen. Natürlich hatten wir wieder die größte Fan-Gemeinde.

Dieses Jahr gab es erstmals eine technische Abnahme der Fahrzeuge. Da mussten wir etwas improvisieren, da Feuerlöscher, Verbandskasten und Bergegurt auf jedem Fahrzeug Pflicht waren. Auch eine Versicherung war für die Fahrzeuge vorgeschrieben. Leider war von so etwas in der Ausschreibung nicht die Rede.

Um ca. 9.30 fanden wir uns im Vorstart ein. Diesmal gingen wir als Team Adelmann/ Schröder und Menzel/ Klapproth an den Start. Unsere 2 Nivas sahen neben professionell und mit viel Geld aufgebauten Mercedes G`s aus wie Spielzeug. Auf unsere Beifahrer kam diesmal eine große Verantwortung zu. Erstmals wurden die Runden elektronisch mittels Codierstift, der über ein Lesegerät gezogen werden musste gezählt. Mit flauem Gefühl ging es dann in die Einführungsrunde. Die Strecke sah recht gut aus und war für uns eigentlich überhaupt kein Problem. Die Wasserlöcher waren nicht so tief wie sonst und die Strecke war außer einem tückischen Schlammloch gut befahrbar. Schon in der Einführungsrunde hatten viele mit dem Schlammloch zu kämpfen.

In der Startaufstellung waren wir da noch guter Dinge. Ich war ganz stolz, dass mein Niva in keinem Wasserloch mucken machte.

Als die Startflagge viel, tobten 40 Geländewagen los. Bis unter die ersten 10-15 konnten wir uns beim Start nach vorne arbeiten. Es lief echt klasse, machte richtig Spaß.... bis die 2. oder 3. Runde kam. Ich fuhr ohne Furcht in eines der Wasserlöcher und was passierte? Er ging mal wieder aus, weil die Karre eben doch nicht ganz wasserdicht war. Nach dem man mich mit einem Japaner aus dem Gefahrenbereich gezogen hatte legte ich den Niva wieder trocken und versuchte, die Zündung nachträglich ab zu dichten.

Nach mindestens 1 Runde Rückstand ging es dann weiter. Marian war kurz vor mir gewesen und hatte keine Probleme. Eigentlich hätte er mich schon wieder überholen müssen. Nach kurzer Zeit wussten wir wo er abgeblieben ist. Es war das besagte Schlammloch in dem fast mehr Autos fest steckten als hinein passten. Leider war auch unser Marian dabei. Er wollte an den Festgefahrenen vorbei und wurde selbst zum Opfer. Nach dem dieser Streckenabschnitt wirklich unbefahrbar war, wurde die Strecke kurzer Hand daran vorbei geführt. Nur mit aller Gewalt und dem Risiko eine Steckachse abzureißen konnte ich Marian aus seiner Lage befreien. Nun ging es für mich weiter, Runde für Runde Probleme mit dem Wasser. Trotzdem kamen wir immer irgendwie vorwärts. Marian hatte an seiner Kampfsau alle Hände voll zu tun, bis sie wieder lief. Nach 2 oder 3 Runden war auch er wieder unterwegs. Außer, dass er nun auch mit dem Wasser zu kämpfen hatte, lief es bei ihm bis zum Schluss ohne größere Zwischenfälle.

Meine Pechsträhne riss leider nicht ab. Irgendwann hatte ich Leistungsverlust. Ursache war ein defektes neues Zündkabel. Dank der Hilfe von Marco Ließ, der aus seinem Niva schnell eins ausgebaut hatte, konnte auch ich wieder weiter fahren. Aber schon kurze Zeit später hatte ich wieder keine Leistung mehr. Nach dem Wechsel der Kraftstoffpumpe ging es zumindest ein wenig besser. Nach ein paar Kilometern, wieder an meinem Wasserloch wo ich ständig stand, ging mal wieder nichts mehr. Mittlerweile war ich so sauer, dass ich kurzer Hand aus der Strecke fuhr und keine Lust mehr hatte. Es dauerte nicht lange bis ein Teil unserer Fan-Gemeinde da war und mich versuchte zu ermutigen, doch weiter zu fahren. All dies brachte nichts. Erst als Marian bestimmt schon 3 mal an mir vorbei zog, packte es mich doch wieder. Rein in die Karre und hinter her. Es waren nur noch 3-4 Runden zu fahren. Aber diese Runden waren echt die geilsten. Marian und ich lieferten uns einen tollen Zweikampf ohne Rücksicht auf die Maschine bis kurz vor Schluss. Teilweise war ich so dicht hinter ihm, dass ich im Staub nicht mehr sah wo ich fuhr. Als mein Niva schlagartig stehen blieb und die Front gegen den Erdmittelpunkt zeigte, war uns klar, dass uns der grasbewachsene Wackelpuddingboden - wie viele andere Teilnehmer auch - nicht mehr tragen wollte. Mein Kleiner war bis zu den Blinkern verschwunden. Ein Weiterfahren ohne Bergehilfe war nicht mehr möglich. Das war es dann, dachten wir. Aber es war doch nicht zu Ende. Ein paar Meter weiter weg standen Frank Jäger und Reinhold Schlicker (das Pfälzer Range Rover-Trial Team) mit ihrem defekten Range Rover. Da beide ehemalige Nivafahrer und Fans dieses Wagens sind, zogen sie mich mit ihrem englischen Schwermetall aus der Lehmpampe. Somit konnte auch ich trotz größter Schwierigkeiten und Hindernisse das Rennen beenden. Frank Jäger war Mitorganisator des 1. Lada Niva Treffens 1999.

Beim Zieleinlauf war - wie fast immer - das Lada Banner von unseren Fans gehalten gespannt. Alle freuten sich riesig, dass wir es trotz aller Umstände geschafft haben.

Über die Platzierungen brauchen wir da nicht mehr zu reden. Weit weg von den Punkterängen.

Trotz aller Probleme die wir hatten geht ein großes DANKE an alle Fans die da waren und uns wo es nur ging unter die Arme griffen und anfeuerten.

Auch unsere Beifahrer verdienen großen Dank, denn ohne sie hätten wir echt alt ausgesehen.

Leider mussten wir feststellen, dass unsere Wagen doch mehr Schäden davongetragen haben als angenommen.

Mein Niva ist mittlerweile so krumm, dass die Räder überall schleifen wo sie nicht sollen. Dazu sind dann noch die Rahmenzüge rechts komplett durchgerissen und links angerissen. Die hinteren Achsaufhängungen sind auch beide am Bodenblech angerissen. Kurz gesagt, mit diesem Niva ist kein 4 Stunden Rennen mehr zu fahren.

Bei Marian sieht es da nicht viel anders aus. Er müsste auch sehr viel Arbeit und auch Geld in seinen Wagen stecken damit er wieder Einsatzfähig wird.

Somit sind wir zu dem Entschluss gekommen, dieses Jahr beide kein Rennen mehr zu fahren, um einen neuen bzw. besser aufgebauten Wagen bis nächstes Jahr fertiggestellt zu haben.

Außerdem braucht man für das Ganze doch einige Euros, zumindest wenn man alles ordentlich machen möchte.

Also nicht traurig sein: „ Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder... keine Frage“

Viel Grüße

Euer Lionel