"Danke fürs Trinkgeld" sagt der Mann mit dem ADAC Autotransport Lkw, steigt in sein Fahrzeug und braust davon.

Total dreckverkrustet und irgendwie seltsam duftend steht er da, unser "Igor". Stoßstange und Rammschutz vorne links ca. 5cm weiter abstehend als sonst, beide Einstecktrittbretter nach oben gebogen, die Kardanwelle zum Vorderachsdifferenzial zusammen mit einer Handvoll Schrauben, der Handschuhfachablage, sehr matschigem Schuhwerk, Werkzeug und der benutzt aussehenden Bergeausrüstung im Kofferraum. Aus den Ablauflöchern im Beifahrerfußraum tropft noch immer Kühlwasser. Das zerbrochene Vorderachsdifferenzial gibt langsam den letzten Schluck Getriebeöl von sich. Frank und ich haben meiner Frau (Ihr gehört Igor) und unser Tochter Carolin so einiges zu erklären.
Aber der Reihe nach.


IG Mitglied Marco Ließ aus Berlin hatte den Termin zu einem zwanglosen kleinen Herbsttreffen in Peckfitz mit dem Fahrgeländebetreiber ausgemacht. Er war mit seiner Lebensgefährtin Dörte schon am Freitag angereist und hatte sich eines der Soldatenzimmer in der Unterkunftsbaracke gemietet. Das Fahrgelände wurde an dem Wochenende auch von vielen anderen Off-Roader genutzt. So war eine bunte Mischung an Fahrzeugen vertreten.

Dietrich Marquardt kam auch schon am Freitag samt Wohnwagen in Begleitung seiner Freundin Melanie und Hund. Abends gesellte sich dann noch Uwe Nebelung mit seinem 1.7 Vergaser Niva dazu. Er nutzte die späte Gunst der Stunde intensiv und führte erst mal eine Materialerprobung durch. Scheinbar hatte der Phanhartstab nicht die nötige Güte, da er schlichtweg durchbrach und sich Uwe noch Abends wieder auf den Heimweg machte.

Am Samstag kam dann unsere große Stunde. Frank, Igor und ich trafen am Vormittag ein. Zunächst waren wir sehr enttäuscht, daß wir nur 3 Nivas waren. Aber das wunderbare Fahrgelände auf dem Areal eines ehemaligem NVA Grenztruppenstützpunktes zeigte sich nach dem vielem Regen der vergangenen Tage, bei durchwachsenem Herbstwetter, von seiner anspruchsvollen Seite. Viele Fahrspuren mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgraden schlängelten sich durch den hügeligen Kiefernwald. Einige Wasserlöcher schienen zwar unscheinbar, doch zeigte sich bald, daß es gut war eine Bergeausrüstung mitzuführen. Marco war zunächst besonders stürmisch und erkundete eine Wasserdurchfahrt gleich mit dem Auto. Die tiefen Spurrillen eines großen Lkw bereiteten der Bodenfreiheit seines Niva ein jähes Ende. Also Greifzug und Baumgurt ausgepackt und mit ein wenig Schweiß war sein Fahrzeug wieder frei.

Auch für die Off-Roader mit andern Fahrzeugen hielt das Fahrgelände ausreichend Schwierigkeiten parat. Besonders gefallen hat mir der am äußeren Rand verlaufende, ca. 2 km lange Rundkurs. In lockrer Reihenfolge konnte man hier sehen wie auch wesentlich teurere Fahrzeuge, auf dem ein oder anderen Streckenabschnitt, an ihre Grenzen stießen.

Am späten Vormittag hatten wir Wassereinbruch auf der Beifahrerseite zu beklagen. Der Heizungshahn hatte seinen Dienst quittiert, und so ergossen sich einige Liter, ca. 85 Grad heißer, markant riechender, grün-blauer Flüssigkeit auf die Füße meines Beifahrers Frank. Das Problem wurde durch Abklemmen der Heizung gelöst. Wieder etwas Wasser ins Kühlsystem und weiter ging es.

Etwas später fuhr ich Igor so bescheiden in einen Steilhang, daß er mit den Vorderrädern genau vor der Kuppe zum Stehen kam und trotz aller Bemühungen nichts mehr ging. Daraufhin versuchte Marco mit seinem Niva mich von der anderen Seite des Hangs in Vorwärtsrichtung zu zerren. Alles Rucken und Reißen half nichts. Nicht unser Fahrzeug, sondern nur Stoßstange und Rammschutz veränderten ihre Position merklich. Also rückwärts aus dem Schlam(m)assel. Das klappte nun seltsamer Weise mit eigener Kraft und sehr ungewöhnlichen Schab,- Kratz, - Schleif- und Knarrgeräuschen. Der genaue, prüfende Blick unters Auto ließ meine Befürchtung Gewissheit werden.

Ich kann mich nun auch zu den Leuten zählen, die durch ihre ruppige Fahrweise es geschafft haben das Vorderachsdifferenzial eines Niva Diesel zu sprengen. Alle Stehbolzen der Aufhängung waren samt Gehäuseteilen raus gerissen. Um wenigstens ohne weiteren Folgeschaden aus dem Fahrgelände zu kommen, demontierten wir die Kardanwelle zur Vorderachse. Sperre rein und mit Heckantrieb Richtung Baracke.

Vorher wurde aber noch in Gemeinschaftsarbeit der Niva von Dietrich mittels Marcos Greifzug befreit. Dietrich hatte sich etwas unglücklich auf einer matschigen schräg- bergab Passage zwischen einem Hindernis vorne rechts und einem Baum Mitte links so verkeilt, daß der Dachgepäckträger am Baum klemmte.

Für Igor, Frank und mich war der Spaß somit erstmals zuende. Während eines gemeinsamen Imbisses in Marcos Stube klärte ich meine Heimfahrprobleme mit den Gelben Engeln. Nach etwa einer Stunde war der helfende ADAC Lkw vor Ort. Selbstverständlich schaffte es Igor mit halben Antrieb, die hydraulisch schräg angekippte Ladefläche des  Lkw, aus eigener Kraft zu erklimmen.

Am Samstag Abend kam dann noch einmal Uwe mit seinem inzwischen repariertem Niva nach Peckfitz. Bei einer zünftigen Nachtsession ging es wieder hoch her, zu hoch für Uwes vordere Stoßstange mitsamt Kennzeichen. Oder war es doch wieder ein Materialproblem mit den Befestigungsschrauben?

Nach dem gemeinsamen Frühstück ging es dann am Sonntag auch für Dörte, Melanie, Dietrich und Marco wieder Richtung Heimat. Marco konnte es aber nicht lassen, seine pistentauglichen Packkünste mit dem komplett beladenen Fahrzeug bei einer letzten Abschlussrunde zu testen.

Für mich hat das kleine Treffen in Peckfitz wieder gezeigt wie toll die Kameradschaft in unser IG ist. Leider waren nur recht wenige Marcos Aufruf gefolgt. Trotz gewisser Umstände wird es mir in lebhafter Erinnerung bleiben. Vielleicht kommen beim Nächsten mal ja doch einige mehr. Vielen Dank noch mal an Marco für seine Mühen.

Speziellen Dank auch an Uwe. Am Sonntag Nachmittag besuchte ich Ihn bei sich zu Hause. Testfahrt mit seinem schlammverziertem 1.7 Vergaser Niva mit leicht deformierter vorderer Stoßstange (ohne Kennzeichen dran). Und Beschaffung eines gebrauchten, aber heilen Vorderachsdifferenzials.    


P.S:
Diesel Niva Fahrern, die auch im schweren Gelände eine forsche Fahrweise bevorzugen, möchte ich bitten an Ihr Vorderachsdifferenzial zu denken bevor es zu spät ist. An Igor habe ich inzwischen die komplette Halterung abgeändert.